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Leiden mit der Post

Versandhandel Die Post erhöht auf nächstes Jahr die Paketpreise ­ sehr zum Missfallen der Versandhändler. Ihre ohnehin knappen Margen werden dadurch noch schmaler. Ans Aufgeben denkt deswegen jedoch

Von Iris Kronenberg
am 26.11.2002

Der Versandhandel und die Post stehen wegen der Porti für die Paketpost quasi im Dauerstreit. Der Entscheid, im nächsten Jahr die Preise für die Zustellung von Päckli erneut zu erhöhen, sorgt bei den Versandhändlern für hochrote Köpfe. Die Stimmung ist gedrückt: «Die massiven Portoerhöhungen der Post in den vergangenen Jahren führen zu sehr grossen Problemen und gefährden die Versandhandelsbranche», sagt zum Beispiel Corneliu Sfintesco, Chef des Ackermann-Versandhauses.

Rund 2 Mio Päckli verschickt der grösste Versandhändler der Schweiz pro Jahr. Preiserhöhungen bei der Post gehen dabei schnell ins Geld. Ackermann, der gemäss Schätzungen des Marktforschungsinstitutes IHA rund 180 Mio Fr. umsetzt, gibt fast 13% des Umsatzes für die Post aus, also 23,4 Mio Fr.

Beim Westschweizer Versandhändler Charles Veillon sind es 17 Mio Fr., etwa 10% des Umsatzes. Der Verband der Schweizerischen Versandhändler (VSV) schätzt den Umsatzanteil, der in der Branche für Postsendungen aufgewendet werden muss, auf 14%. Die Tendenz ist steigend: Im Vorjahr betrug der Umsatzanteil noch 13%.

Rationalisierungen sind nötig

Die stark steigenden Paketporti nagen an den knappen Margen der Branche, heisst es beim Verband. Mit den Preiserhöhungen beschert die Post der Branche noch zusätzlichen Spardruck. Denn die Mehrkosten können nicht auf die Preise abgewälzt werden, sagt Sfintesco. Das heisst: Es werden weitere Rationalisierungsmassnahmen in den Unternehmen nötig.

Aber auch die Post sieht sich Sachzwängen ausgesetzt. Im Hinblick auf die Marktöffnung hat die Schweizerische Post auf Anfang 2003 eine klarere Trennung von Paket- und Briefpost vorgenommen. Eine Durchmischung der beiden Bereiche etwa mit Produkten wie Maxibriefe und Kleinpakete gibt es nicht mehr. Das führte zu Preisanpassungen: Ein Paket bis zu einem Gewicht von zwei Kilogramm kostet neu 8 Fr., soll es am Folgetag geliefert sein. Weniger eilige Sendungen kosten 6 Fr. Gegenüber bisherigen Preisen für Kleinpakete bedeutet das einen Aufschlag von 1 Fr., bei den Normalpaketen beträgt die Erhöhung 20 Rp.

Begründet wird die vom Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) genehmigte Preiserhöhung mit dem beträchtlichen Defizit, das die Post im Paketbereich seit Jahren einfährt. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug das Defizit 151 Mio Fr., im Jahr 2000 255 Mio Fr.

Die Post hat im Jahr 1998 und 2001 Preiserhöhungen im Bereich Paketpost durchgeführt. Die Preiserhöhung auf Anfang Jahr dürfte die letzte sein, «um die historisch begründete Verzerrung im Preisgefüge zu korrigieren», sagt Post-Mediensprecher Oliver Flüeler.

Hoffnung aufLiberalisierung

Die Mehrheit der Pakete wird von Unternehmen versendet, die deshalb bei der Post als Geschäftskunden besondere Konditionen erhalten. Mit ihnen gehe die Post mehrjährige Verträge ein, welche je nach Volumen sowie Qualität der Verpackung und Anschrift zu Vergünstigungen führe, sagt Flüeler. Ein solcher Vertrag ist nach langjährigen Verhandlungen auch mit dem Verband des schweizerischen Versandhandels abgeschlossen worden.

Die Versandhäuser wünschten sich heute eine zügige Liberalisierung des Postmarktes, in der Hoffnung, der Konkurrenzdruck möge die Preise niedrig halten. Der Versand von Paketpost bis zu 2 kg Gewicht gehört nach wie vor in den Monopolbereich der Post. Ganz im Gegensatz zur EU, wo die Monopolgrenze auf Anfang nächsten Jahres auf 100 g heruntergeschraubt worden ist.

Dieser Wunsch der Versandhändler dürfte in Erfüllung gehen, wenn auch mit «schweizerischer Langsamkeit», wie Bundesrat Moritz Leuenberger zur Postmarktliberalisierung sagte. Der Bundesrat hat dem Parlament die schrittweise Öffnung des Postmarktes vorgeschlagen. 2004 soll der Markt für Pakete vollständig geöffnet werden, ab 2006 sollen private Konkurrenten der Post auch Briefe ab 100 g befördern dürfen. Der Nationalrat hat Anfang Oktober dem Vorschlag des Bundesrates zugestimmt.

Zurückhaltung der Konsumenten

Vorderhand schmerzen die Versandhändler die höheren Postkosten, zumal die Branche derzeit in einem schwierigen Marktumfeld arbeitet. Im Jahr 2001 erwirtschaftete der Schweizerische Versandhandel einen Umsatz von rund 1,9 Mrd Fr. und erreichte damit einen Marktanteil im schweizerischen Einzelhandelsgeschäft von 2,3%. Damit hat die Branche nach Jahren der Stagnation gegenüber dem Vorjahr 6,4% mehr verkauft.

Unter anderem wegen der zunehmenden Zurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten kommt der Versandhandel aber in diesem Jahr wieder unter starken Druck. Zusätzlich zur Konsumflaute machen grosse ausländische Versandhändler und Einkaufszentren dem Versandhandel die Umsätze streitig.

Im ersten Halbjahr 2002 mussten die Unternehmen einen Umsatzverlust von 2,2% hinnehmen. Anders als der Detailhandel konnte der Versandhandel die Verkäufe damit nicht halten. Und die Aussichten für das zweite Halbjahr werden von den Versandhäusern alles andere als rosig eingeschätzt.

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