Am Gründungsstandort in Menden betreibt die Firma OBO Bettermann ihr Logistikzentrum: Dieses umfasst ein automatisches Hochregallager mit 7000 Stellplätzen und fünf Regalbediengeräten, ein sechsgassiges Muldenlager für Langgut (ein Regalbediengerät mit Umsetzbrücke, 2800 Stellplätze) sowie die dazugehörige Fördertechnik. Das Lager ist Dreh- und Angelpunkt für die Abwicklung der logistischen Prozesse - von hier aus werden weltweit sowohl die Kunden, Niederlassungen und Tochtergesellschaften des Unternehmens als auch die Produktion in Menden und Ungarn mit Halbfertig- und Fertigteilen beliefert.

Der ursprünglich 1972 errichtete Lagerbereich, der 1992 schon einmal steuerungstechnisch modernisiert wurde, genügte im Hinblick auf die Steuerungssysteme nicht mehr den heutigen Anforderungen. Das Leitsystem war in die Jahre gekommen, ein Grossteil der elektronischen Komponenten war als Ersatzteile nicht mehr am Markt verfügbar. Im Falle von Anlagenstörungen und Änderungsmassnahmen war kein Support mehr gegeben. Somit war auch die Anlagenverfügbarkeit nicht mehr durchgängig gewährleistet. Um die Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit der Anlage langfristig zu sichern, entschied sich OBO Bettermann für eine umfangreiche Modernisierung in mehreren Schritten.

Fit für die Zukunft

Das Projekt hatte ein vorrangiges Ziel: Einen reibungslosen, störungsarmen Betrieb für die nächsten Jahre zu gewährleisten. Das Umbaukonzept sollte dabei nicht nur der künftigen Betriebssicherheit Rechnung tragen, sondern auch Optimierungsmöglichkeiten ausschöpfen, die sich durch die Änderungen der internen Abläufe ergaben und die mit der bestehenden Lagerverwaltungssoftware nicht umgesetzt werden konnten. Darüber hinaus sollte das neue Lagerverwaltungssystem für die beiden Automatiklager zukünftig auch die Basis für alle manuell geführten OBO-Lager bilden.

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Das stetige Wachstum des weltweit operierenden Unternehmens sowie sich ändernde Marktbedingungen wurden ebenfalls ins Kalkül gezogen. Dieter Sauer, Leiter Logistik Distribution bei OBO Bettermann, erklärt dazu: «Der Entscheidung für ein neues Lagerverwaltungssystem gingen weitreichende Überlegungen voraus. Besonders wichtig war uns, eine hohe Anlagenverfügbarkeit sicherzustellen und im Störungsfall auf einen zeitnahen Hotline-Support mit einer Reaktionszeit von maximal 60 Minuten zurückgreifen zu können.»

OBO Bettermann entschied sich nach einer umfassenden Screening-Phase für die Zusammenarbeit mit Swisslog. Die in Dortmund ansässige deutsche Tochter des Schweizer Logistikanbieters bot nicht nur den Vorteil der örtlichen Nähe. «Swisslog begleitete uns in der relativ langen Planungsphase intensiv und brachte viel Input für das Lastenheft ein», so Dieter Sauer. «Die von Swisslog aufgezeigten Lösungen und die hohe Kompetenz der Mitarbeiter haben uns in allen Bereichen überzeugt. Ausschlaggebend war dann letztlich das vorgelegte Umbaukonzept.»

Im Rahmen der Konzeptphase komplettierten die Projektpartner zunächst das Lastenheft, das die Grundlage für die Restrukturierung bilden sollte. Auf Basis der dort beschriebenen Anforderungen und einer Ist-Aufnahme wurden für die einzelnen Bereiche Pflichtenhefte erstellt, die Ablaufprozesse spezifiziert und die Einzelmassnahmen in einem Detailterminplan erfasst. Die erste Projektphase sah die Modernisierung des Muldenlagers für Langgut vor. Insgesamt stand für dessen Modernisierung nur ein sehr knappes Zeitfenster von weniger als zwei Wochen zum Jahreswechsel zur Verfügung. Das Umbaukonzept sah keine Fallback-Strategie vor - Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung innerhalb der vorgegebenen Frist waren daher eine detaillierte Planung und ein intensiver Inhouse-Test.

Automation-Manager übernimmt

Technisch gesehen lag die Herausforderung vor allem in der Implementierung des neuen Leit- und Steuerungssystems. Der Warehouse-Manager von Swisslog wurde als neue Lagerverwaltungssoftware installiert, die mit dem übergeordneten ERP-System kommuniziert. Die komplette Materialflusskontrolle sollte im Zuge der Restrukturierung der Swisslog- Automation-Manager übernehmen. Swisslog wurde darüber hinaus mit der Implementierung ihres Visualisierungssystems Single Point of Control (SPOC) beauftragt. Mit dem effizienten Überwachungswerkzeug lassen sich komplette Anlagen dynamisch und in Echtzeit visualisieren.

Hardware deutlich verbessert

Parallel zur Systemerneuerung wurden aufwendige Umbaumassnahmen an der Hardware vorgenommen: Das Projektteam musste die SPS-Steuerungen (S5 gegen S7) für die Regalbediengeräte und die Förderanlage inklusive neuer Touch-Panels für die Vorort-Bedienung austauschen und neue Schaltschränke sowie frequenzgeregelte Antriebe einbauen. Ebenfalls erforderlich war der Einbau von Energieketten und Stromschienen. Weitere Herausforderungen, die Swisslog in der knapp bemessenen Zeit zu meistern hatte, waren die Einbindung neuer Technologien wie beispielsweise die Wegmessung mittels Laser, die datentechnische Anbindung an das Leitsystem über Profinet sowie die Überlastsicherung.

Die Systemumstellung wurde von Swisslog gründlich vorbereitet. Generell testet Swisslog bei Modernisierungsprojekten die geplanten Abläufe mit Hilfe der Simulationssoftware E-Control unter realistischen Bedingungen. Zwei Wochen vor der Inbetriebnahme wurde die neue Software im Rahmen eines ausführlichen Inhouse-Tests im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit auf Herz und Nieren geprüft.

Knappes Zeitbudget eingehalten

Diese Vorarbeit zahlte sich in der entscheidenden letzten Projektphase aus: Trotz der engen Zeitvorgabe und der hohen Anforderungen konnte das Langgutlager in der ersten Januar-Woche planmässig in Betrieb gehen. Mit der Modernisierung des Langgutlagers hat das Handelsunternehmen OBO Bettermann eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung seiner Intralogistik geschaffen.