Den Zeitraum vom 15. bis 20. September hat sich Benedict Broennimann in seiner Agenda dick angestrichen. Dann nämlich werden die neusten Studienergebnisse zur Herzklappe der jüngsten Generation beim Mitbegründer und CEO von Leman Cardiovascular eintreffen, an der das in Lonay VD bei Lausanne ansässige Unternehmen seit 2004 forscht. «Chirurgen fordern schnelle und einfache Techniken», sagt Broennimann. Leman Cardiovascular will dieses Bedürfnis mit einer biologischen Herzklappe abdecken, die Anfang 2010 auf den Markt kommen soll.


Grosses Interesse

Broennimann bestätigt, dass die wichtigsten Player im Markt für Herzklappen bereits «grosses Interesse» am Produkt von Leman Cardiovascular zeigen. Namentlich erwähnt er die US-Unternehmen Medtronic, St. Jude Medical, Edwards Lifesciences und ATS Medical. Als weitere Interessenten kämen Sorin Biomedica (mit Sitz in Mailand), Guidant (eine Tochter von Boston Scientific) oder Biosence Webster, ein Unternehmen des US-Konsumgüter- und Pharmariesen Johnson & Johnson, in Frage.

Dieses Interesse kommt nicht von ungefähr: Der Markt für Herzklappen umfasst mittlerweile ein Volumen von 1 Mrd Dollar. Es wird damit gerechnet, dass bis 2010 weltweit 600000 Menschen an Herzklappenerkrankungen leiden. In letzter Zeit setzten die grossen Anbieter für künstliche Herzklappen aber auf andere Methoden, um die Leistungen von schwachen Herzen zu unterstützen. Weil Nebenwirkungen auftreten, findet in der Branche momentan eine Rückbesinnung auf den «traditionellen» Herzklappenersatz statt.

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Dabei kommt Leman Cardiovascular zugute, dass mit Medtronic und Edwards Lifesciences zwei wichtige Branchenplayer ihre Europa-Hauptsitze in der Schweiz haben. Medtronic beispielsweise wollte keinen Kommentar zu Leman Cardiovascular abgeben. «Prinzipiell ist Medtronic immer an Therapien, Produkten und Unternehmen interessiert, welche strategisch mit unserer Mission übereinstimmen, Patienten wieder ein normales Leben zu ermöglichen», lässt Sprecher Eric Gasser aber durchblicken.

Das KMU Leman Cardiovascular mit einem Dutzend Mitarbeitern in der Schweiz und den USA wurde bislang mehrheitlich von einer Private-Equity-Gesellschaft finanziert. Weitere Aktionäre sind die drei Mitbegründer – neben Broennimann VR-Präsident Afksendiyos Kalangos und VR-Vizepräsident Raymond Andrieu.


Kommt IPO?

Seit ihrer Gründung hat die Firma 22 Mio Fr. an Investitionsgeldern auftreiben können. «Damit ist das ganze Projekt, bis das Produkt auf den Markt kommt, finanziert», sagt Broennimann. Die Firmengründer haben sich bereits Gedanken über die Zukunft gemacht: «Die Selbstständigkeit ist nicht das oberste Ziel. Wir haben noch andere Projekte, die wir realisieren möchten», sagt der CEO.

Konkret bedeutet dies, dass sowohl ein Börsengang als auch ein Verkauf von Leman Cardiovascular möglich sind. «Wir können uns den Verkauf an einen grossen Branchenplayer oder den Einbezug weiterer Investoren vorstellen», skizziert Broennimann das seiner Meinung nach wahrscheinlichste Szenario. «Aber auch mit der Schweizer Börse haben erste Kontakte stattgefunden, sodass ein IPO schon 2008 möglich wäre.» Realistisch wäre aber das Jahr 2009, so Broennimann.


Zukauf bis Ende Jahr

Gleichzeitig soll Leman Cardiovascular durch Zukäufe wachsen. «Wir suchen gezielt den Kontakt zu Forschern, um deren Erfindungen und Technologien rechtzeitig zu patentieren. Anschliessend finanzieren wird diese Projekte bis zu ihrer Realisierung.» Eine nächste solche Transaktion soll bis Ende Jahr über die Bühne gehen.

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Kardiologie

Trend: Wieder zurück zur Herzklappe

Stent: Seit 2003 sind sogenannte Stents auf dem Markt. Das sind kleine gitterartige Röhrchen, die bei Verengung der Herzarterie als Stützen für die Gefässe in die Arterien eingepflanzt werden. Oft wurden sie anstatt einer künstlichen Herzklappe verwendet.

Problem: Seit 2006 tauchen aber immer mehr Probleme mit den Stents auf. Die Röhrchen aus Metall sollen Wucherungen auslösen, sodass die Gefässe schon bald wieder verschliessen. Deshalb geht der Trend in der Kardiologie seit diesem Jahr wieder zurück zur «herkömmlichen» Herzklappe. Genau davon könnte Leman Cardiovascular profitieren.