Das hatten wir doch schon einmal. Ende der 80er Jahre priesen Honda, Mazda und Nissan, also alles japanische Marken, die Allradlenkung als Komfort- und Sicherheitselement, das in Zukunft aus dem Automobilbau nicht mehr wegzudenken sei. Dies hatten sich die Marketingexperten wohl gewünscht. Doch es kam anders! Zu teuer, so das vernichtende Urteil. Damit verschwand diese Lenkung vom Markt.

Vergessen gehen darf in diesem Zusammenhang nicht, dass damals weltweit Rezession herrschte. Ihr drohte übrigens auch eine weitere Technik, der von Audi und Subaru propagierte Allradantrieb, zum Opfer zu fallenm … Heute wissen wir: Der Allradantrieb hat sich dann doch noch durchgesetzt.

Jetzt versucht es Renault mit der Allradlenkung. Als Begründung werden von der Entwicklungsabteilung des französischen Herstellers dieselben Argumente angeführt wie einst von den Japanern: Grössere Sicherheit beim Kurvenfahren und Ausweichen sowie leichteres Manövrieren auf engem Raum, beispielsweise beim Einparken.

Ein Argument fürs Marketing

Diese Faktoren mögen zwar durchaus Gründe sein, um die Allradlenkung, von Renault Active Drive genannt, neu aufzulegen. Aber es spielen noch andere Überlegungen mit, die allerdings offiziell nicht bestätigt werden. In Zukunft werden nämlich Leistung sowie grosse, starke Motoren vor dem Hintergrund der Klimadiskussion nicht mehr eine derart dominierende Rolle wie bisher spielen. Technische Spitzenstellung manifestiert sich in den nächsten Jahren demnach weniger über Pferdestärken.

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Deshalb müssen die Hersteller anderweitig punkten. Renault beschreitet so gesehen mit der Allradlenkung im Laguna GT nicht nur eine neue Technikstrategie, sondern auch in Bezug auf das Marketing frische Wege, um die Aufmerksamkeit der Kundschaft zu erheischen. Jüngste Werbekampagnen deuten klar in diese Richtung. Renault wird allerdings mit dieser Strategie nicht allein bleiben, denn nach inoffiziellen Berichten arbeitet auch BMW an einer Allradlenkung.

So funktioniert das neue System

Hält die neue Technik, was sie verspricht? Herzstück der Active-Drive-Lenkung ist ein elektrischer Stellmotor an der Hinterachse. Er erhält über die Elektronik Steuerbefehle, entsprechend dem Lenkradeinschlag. Bei einer Geschwindigkeit unter 60 km/h bewegen sich die Hinterräder bis maximal 3,5 Grad in entgegengesetzter Richtung zu den Vorderrädern. Wird schneller gefahren, steuern die Hinterräder in dieselbe Richtung wie die Vorderräder. Der Fahrer spürt in den Kurven mit seinem «verlängerten Rückenteil» diese Allradlenkung recht deutlich; es kommt das Gefühl auf, als würde der Wagen mit dem Heck ausschwenken. Doch das geschieht nicht, zumindest bei vernünftiger Fahrweise.

Die Gründe für den Einsatz der Allradlenkung klingen zwar logisch, ob sie allerdings zwingend sind, muss (vorerst) offen bleiben. Offen bleibt vorläufig auch der Preis des Systems. Renault bietet das Active-Drive-System für den Laguna GT serienmässig an. Erst im Herbst, wenn das Laguna Coupé auf den Markt kommt, wird das Geheimnis gelüftet, denn dann ist das System als Option erhältlich.

Optisch deutlich aufgepeppt

Optische Kennzeichen des Laguna GT – im Vergleich zu den Standardversionen – sind die modifizierte Frontschürze, ein vergrösserter Lufteinlass unter den vorderen Stossfängern und schwarze Scheinwerfermasken. Sportliche Akzente setzen ausserdem die zusätzlichen Kühllufteinlässe vor den Vorderrädern, die 18-Zoll-Räder 225/45 sowie die verchromten Auspuff-Doppelrohre. Hinzu kommen in glänzendem Schwarz lackierte Aussenspiegel mit integrierten Blinkern.

Die sportliche Linie wird im Interieur fortgesetzt, dies mit den gelochten Aluminiumpedalen, dem verchromten Schalthebel sowie dem Sportlenkrad. Um auch in schnell gefahrenen Kurven grösstmöglichen Seitenhalt zu erreichen, sind die Sitze mit verstärkten Seitenpolstern versehen. Der Renault Laguna GT kann ab sofort bestellt werden.