Die Investoren liessen ob dieser Nachricht die Korken knallen: Zeitweise um 12% stieg die Aktie des Industriezulieferers Sulzer am Montag - weil der ehemalige ABB-CEO und heutige Multi-Verwaltungsrat Jürgen Dormann via «NZZ» ankündigte, an der Sulzer-Generalversammlung für den Verwaltungsrat kandidieren zu wollen. Damit kommt es zum Kräftemessen mit Ulf Berg, der Präsident von Sulzer bleiben will, aber vom Grossaktionär Renova nicht mehr unterstützt wird. Anders Dormann, den Renova portiert.

Doch Berg will Dormanns Zuwahl blockieren und hat dafür auf einen juristischen Trick zurückgegriffen. Das Wahl-Traktandum trägt lediglich den Titel «Wiederwahlen; statt wie üblich «Wiederwahlen/Zuwahlen/Neuwahlen» oder schlicht «Wahlen». Laut Aktienrechtler Peter V. Kunz von der Universität Bern wird so Dormanns Kandidatur vorerst verhindert. «Nur bisherige VR-Mitglieder können wiedergewählt werden, neue Kandidaten dagegen nicht», erklärt Kunz. Dieses «Spiel auf Zeit» bringe nichts. «Weil Renova mehr als 10% des Aktienkapitals besitzt, kann sie jederzeit eine ausserordentliche GV verlangen und die Zuwahl traktandieren.» Sulzers Verzögerungstaktik führe nur dazu, dass die Gesellschaft «für mehrere hunderttausend Franken eine weitere GV finanzieren muss».

Noch kann Berg zurückrudern

Zu dieser Einsicht soll in der Zwischenzeit auch Berg gelangt sein. Kreise kolportieren, dass im Sulzer-VR weiter über die Causa Dormann verhandelt wird; dazu passt, dass Sulzer-Sprecher Thomas Gerlach am Montag verlauten liess, die Zuwahl Dormanns sei «derzeit» kein Thema. Noch kann Berg zurückrudern: Bis am 19. März hat der VR die Möglichkeit, die Traktandenliste um den Wahlantrag Dormanns zu ergänzen. Ob der Sulzer-VR dies diskutiert, will Gerlach nicht kommentieren.Über Bergs Beweggründe kann nur spekuliert werden. Möglicherweise setzt er darauf, dass Renova doch noch unfreundliche Post von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht bekommt. Diese untersucht nach wie vor, ob die Deutsche Bank und die Neue Zürcher Bank beim Aufbau ihrer Sulzer-Beteiligungen die Meldepflicht verletzten. Die Sulzer-Aktien kaufte hernach Renova - möglicherweise, wird spekuliert, könnte die Stimmberechtigung dieser Aktien hinterfragt werden.

Anzeige

Renova erhöht derweil den Druck auf Berg: «Der VR sollte prüfen, wie mit Herrn Dormanns Ankündigung im besten Interesse von Sulzer umzugehen ist», lässt Sprecher Daniel Grotzky verlauten.