Der Schauspieler macht seinem Ruf als Impact-Investor erneut alle Ehre. Nach seinem Engagement bei Beyond Meat, Hersteller pflanzlicher Proteinalternativen, investiert der Darsteller aus «Titanic» und «The Revenant» nun auch in die Herstellung von kultiviertem Fleisch

Die holländische Mosa Meat und die israelische Aleph Farms zählen zu den führenden Startups beim Vorhaben, Fleisch im grossen Stil aus tierischen Zellen im Bioreaktor herzustellen. Mosa Meat arbeitet dabei mit dem Schweizer Fleischverarbeiter Bell zusammen. Die Coop-Tochter soll dereinst die industrielle Herstellung des kultivierten Fleisches übernehmen, wie Bell-Chef Lorenz Wyss der Handelszeitung sagte. Bell war schon früh mit zwei Millionen Euro bei Mosa Meat eingestiegen und beteiligte sich vor gut einem Jahren mit weiteren fünf Millionen Euro an dem Fleischlos-Pionier. Aleph Farms arbeitet mit der Migros zusammen.

«Wir sind begeistert, dass Leonardo DiCaprio unsere Vision teilt», sagt Didier Toubia, Mitgründer und CEO von Aleph Farms. Und Maarten Bosch, Mitgründer und CEO von Mosa Meat, sagt: Die Anstrengungen von DiCaprio, einen positiven Wandel herbeizuführen, stimmen mit unserer Mission bei Mosa Meat überein. Wir setzen alles daran, das globale Nahrungsmittelsystem nachhaltiger wird».

Keine Peanuts: DiCaprio wird ein führender Investor

Zum Umfang des Investments von DiCaprio ist nichts bekannt. Klar ist: Das Engagement ist beträchtlich. Bei Mosa Meat, das bis jetzt 96 Millionen Dollar aufgenommen hat, figuriert der Umweltaktivist und Oskar-Gewinner als Lead Investor. Und auch bei Aleph Farms zählt er zu den Top-Investoren. 

Er freue sich sehr, als Investor und Berater zu Mosa Meat und Aleph Farms zu stossen, sagt Lenoardo DiCaprio. Eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, die Klimakrise zu bewältigen, liege in der Transformation des Nahrungsmittelsystems, so der Schauspieler. «Mosa Meat und Aleph Farms eröffnen neue Wege, um den weltweiten Bedarf nach Rindfleisch zu befriedigen und gleichzeitig die drängendsten Probleme der industriellen Fleischherstellung zu lösen». 

Mosa Meat: der erste schlachtfreie Hamburger

Den Gründern von Mosa Meat ist es 2013 als erstes Startup gelungen, einen Hamburger aus tierischen Zellen herzustellen, ohne dass dafür ein Tier geschlachtet werden musste. Das Unternehmen wurde 2016 gegründet und arbeitet nun mit Hochdruck an der Skalierung der Prozesse. Mosa Meat hat seinen Sitz in Maastricht. Wichtige Investoren sind neben der Bell Food Group der Impact-Investor Blue Horizon, der niederländische Tier- und Fischfutterhersteller Nutreco und die Mitsubishi Corporation

Aleph Farms wurde 2017 von Didier Touba und «The Kitschen Hub», dem Inkubator des israelischen Lebensmittelkonzerns Strauss Group, und Shulamit Levenberg, Professor an der Biomedical Engineering Faculty am Technion Israel Institute of Technology, gegründet. Zu den Investoren von Aleph Farms gehören die US-Private-Equity-Gesellschfaft L. Catterton, ADQ, ein Risikokapitalgeber als Abu Dhabi, Thai Union, ein thailändischer Hersteller von Lebensmitteln auf der Basis von Meeresfrüchten, und der US-Lebensmittelgigant Cargill.

Kultiviertes Fleisch gilt als vielversprechende alternative Proteinquelle. Einer Analyse zu Folge, die Mosa Meat und Aleph Farms veröffentlichten, reduziert die Herstellung von Fleisch im Bioreaktor die Treibhausemissionen um 92 Prozent, die Luftverschmutzung um 93 Prozent, den Landverbrauch um 95 Prozent und den Wasserverbrauch um 78 Prozent. Das Fleisch aus dem Bioreaktor ist, anders als die pflanzlichen Fleischalternativen von Beyond Meat, Nestlé oder, in der Schweiz, Hilcona identisch mit konventionellem Fleisch von geschlachteten Tieren. Nur, dass dafür keine Tiere sterben müssen. Weltweit werden jedes Jahr mehr als 70 Milliarden Tiere geschlachtet, der Grossteil davon sind Hühner. Experten rechnen damit, dass die Zahl wegen des steigenden Fleischkonsums und der Zunahme der Weltbevölkerung auf 100 Milliarden steigen wird, sollte es nicht gelingen, alternative Proteinquellen zu erschliessen. Der Fleischkonsum ist mit enormen Belastungen für die Umwelt verbunden, weil es für die Produktion einer Kilokalorie Fleisch ein Vielfaches an Ressourcen braucht im Vergleich pflanzlichen Nahrungsmitteln. Der Fleischkonsum spielt eine Rolle bei der Klimakrise, an erster Stelle steht hier aber der Verbrauch von fossilen Brennstoffen wie Öl, Kohle und Gas.