Sie kennen sich seit 30 ­Jahren, Leonteq-Präsident Pierin Vincenz und Investor Rainer-Marc Frey, haben sie doch zusammen an der HSG in St. Gallen studiert. 
Sie seien nicht enge Freunde, aber doch gute Bekannte, heisst es aus dem Umfeld der beiden. Doch nun könnte die Beziehung auf eine harte Probe gestellt werden: Laut Leonteq-Insidern soll Frey mittelfristig fundamentale organisatorische Änderungen bei Leonteq anstreben.

Die wichtigsten Elemente dabei: die Neubesetzungen des Präsidiums und der CEO-Funktion. Offiziell legt Frey seine Pläne nicht offen. Als Privat­investor sei er nicht zu derlei Auskünften verpflichtet, lässt er bei ­Anfragen generell verlauten.

Mitte März hat sich Frey als Leonteq-Aktionär geoutet – er hält heute 7,5 Prozent. Grösster Aktionär ist die Raiffeisen Gruppe mit 29 Prozent, der Vincenz lange als CEO vorstand und die heute durch Patrik Gisel, einen Vertrauten von Vincenz, im Verwaltungsrat von Leonteq ver­treten ist.

Vom operativen Chef zum Stratege

Der Einstieg von Frey, der als ­Investor mit goldenem Näschen gilt, war so etwas wie der Startschuss zur Trendwende beim Derivatehaus. Der zuletzt ins Bodenlose gesunkene Kurs hat seither um über 50 Prozent zugelegt. Für Frey hat sich das Investment also bereits gelohnt.

Doch er soll noch nicht genug haben. Aus dem Umfeld von Leonteq verlautet, er verfolge eine Art Zweistufenplan. Die erste Stufe bestehe in vermehrtem Druck auf schnelle operative Verbesserungen, die zweite in einer organisatorischen Neuaufstellung inklusive Auswechslung des Präsidenten und des CEO.

Der jetzige operative Chef, Jan Schoch, ist ­einer der Gründer der Firma und immer noch die Schlüsselfigur im Unternehmen. Er gilt als visionärer Finanzmann, aber nicht eben als starker operativer Chef. Frey soll ihn schätzen und ihn auch gerne bei Leonteq halten wollen, aber lieber in einer strategischen Rolle, etwa im Business Development, und nicht als CEO. Langfristig keine Zukunft im Unternehmen soll Frey für Vincenz sehen, unter dessen Ägide der tiefe Fall stattfand und der das Vertrauen der Märkte eingebüsst hat.

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Ausreichend Überzeugungskraft ist gefragt

Aus dem Leonteq-VR verlautet nur, man stehe mit allen Aktionären im Kontakt. Diskussionen mit Frey um operative Verbesserungen hat es laut einem Insider allerdings in der Tat gegeben. Es soll dabei um die Einsparung von Kosten, die Stabilisierung der Erträge und den Einbau neuer Partner gegangen sein – Massnahmen, bei denen Frey eine konsequentere Umsetzung gefordert habe. Ein Führungswechsel sei bislang nicht thematisiert worden. Man habe eher den Eindruck erhalten, es gehe auch Frey darum, keine unnötigen Turbulenzen zu erzeugen.

Ob sich Frey durchsetzen kann, hängt bislang noch vornehmlich von seiner Überzeugungskraft ab. Denn noch an der letzten Generalversammlung sind Raiffeisen und die Leonteq-Gründer um Schoch als Einheit aufgetreten, die insgesamt 46 Prozent auf sich vereinen. Um seinen Einfluss zu steigern, müsste Frey eine der zwei Gruppierungen auf seine Seite ziehen – oder tüchtig weiter aufstocken.

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