Bildung spielerisch und hautnah erleben – vom Zustandekommen der Börsenkurse über die Bildbearbeitung am PC bis hin zur Farbgestaltung und zur Anstrichtechnik: Das ist das Ziel des Lernfestivals 2008, das weltweit unter dem Patronat der Unesco steht. Zwischen dem 5. und dem 14. September trägt das Lernfestival die Lust am Lernen mit einer Vielzahl von Workshops und Events in sämtliche Regionen der Schweiz. Dahinter stehen zahlreiche Regionalkomitees: Ganze Netzwerke aus Weiterbildungsanbietern, Wirtschaftsverbänden, Politik und Vereinen.

Beispiel Ostschweiz

In der St. Galler Region Werdenberg beispielsweise richtet sich das Lernfestival erstmals primär an Mitarbeitende und Entscheidungsträger von KMU. Auf dem Areal der Marty-Gruppe in Azmoos stellen Betriebe des Bauhaupt- und Nebengewerbes am 5. September gute Beispiele betrieblicher Weiterbildungen vor. So etwa die Graf Malerei in Buchs, die sich auf die Wirkung von Farben spezialisiert hat und deren Farbkonzepte in ganz Europa eingesetzt werden.

Niederschwellig ansprechen

Das Organisationsteam entspricht damit der Forderung nach Niederschwelligkeit, die beim Lernfestival zentrale Bedeutung hat. «Gewerbler gehen ungern in eine Schule, auf einem Betriebsareal fühlen sie sich bedeutend wohler», weiss Peter Keller, Leiter Höhere Fachschule am Berufs- und Weiterbildungszentrum bzb in Buchs SG. Die Glaubwürdigkeit bekannter regionaler Fachkräfte und Unternehmer sei hoch.Auch die Lernenden, die in der bzb-Bauabteilung kurz vor dem Lehrabschluss stehen, werden das Lernfestival auf dem Bauareal besuchen.National koordiniert wird das Lernfestival von Ruth Jermann, stellvertretende Direktorin des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung (SVEB). Die Projektleiterin suchte nationale Partner, verteilte Bundesgelder und holte Sponsoringgelder ein. Dieses Jahr lief es harziger als sonst, hat doch die Euro 08 den Grossteil der Sponsoringgelder absorbiert. Für den renommierten Lichtkünstler Gerry Hofstetter reicht es trotzdem. Am Weltalphabetisierungstag vom 8. September bespielt er Schloss Sargans und Schloss Yverdon samt Pestalozziplatz mit seinen Shows und rückt damit den Nachholbedarf im Lesen, Schreiben und Rechnen ins Licht, der 800000 Schweizerinnen und Schweizer an der beruflichen und persönlichen Entfaltung hindert.Lernfestivals oder Adult Learner’s Week werden seit 1996 in der ganzen Welt durchgeführt. In der Schweiz erreicht die Weiterbildungskampagne alle drei Jahre rund 130000 Personen in 15 Kantonen. Sie macht Weiterbildung erlebbar, vernetzt Menschen über Generationen und Kulturen hinweg und stärkt die Regionen, indem sie die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Weiterbildungsinstitutionen und Betrieben fördert. «Bildung schafft Mehrwert», ist Ruth Jermann überzeugt, «jenen Mehrwert, der in einer Zeit der zunehmenden Mobilität und Flexibilität gefordert ist.» Peter Keller vom bzb wird konkreter. Er fordert die Arbeitgeber auf, ihre Mitarbeitenden in ihren Weiterbildungsbestrebungen zu unterstützen. «Das ist eine gute Möglichkeit, diese Fachkräfte im Unternehmen und damit auch in der Region zu halten.»

Anzeige