«Den Europäern drohen japanische Verhältnisse», warnt Norbert Walter im Interview mit der «Handelszeitung». Deshalb fordert der frühere Chefökonom der Deutschen Bank, dass jetzt praktisch alle euro-päischen Staaten unbedingt sparen. Gelingt ihnen dies nicht, «wäre das Schicksal der alten Länder besiegelt, die Handlungsfähigkeit dahin». Die Wirtschaft in den Euro-Ländern würde insgesamt über Jahre - wenn nicht Jahrzehnte - kaum mehr wachsen. «Die Gefahr ist gross, dass die Länder den Gürtel am Ende nicht enger schnallen, auch für diesen Fall muss es politisch durchsetzbare Lösungen geben», mahnt Walter. Ob der Euro überlebt, wisse niemand, da man irrationales Verhalten nie ganz ausschliessen könne. Es sei aber wahrscheinlich, dass die Gemeinschaftswährung bestehen bleibe, «da der Nutzen für die europäische Wirtschaft offensichtlich und der Nutzen der Bevölkerung vermittelbar ist». Das politische Schicksal der EU hänge von Regierungschefs ab, «die hoffentlich wieder einmal das Format von Mitterand und Kohl haben».

Der EU-Botschafter in der Schweiz, Michael Reiterer, hält die Euro-Krise dagegen für einen heilsamen Schock. Die EU-Kommission habe reagiert, die Mitgliedstaaten müssten nur noch ja sagen. «Die Situation ist im Augenblick günstig, dass sich etwas ändert.»