An den Bahnhöfen der grösseren Schweizer Städte werden seit jüngstem Passanten mit gratis abgegebenem Rivella gelb geködert. Bei kaum einem neuen Getränk wird derart mit Marketingkampagnen geklotzt. Bisher ist der Erfolg aber ausgeblieben. Nur 5% macht die gelbe Variante am Gesamtumsatz von Rivella aus.

Im Rothrister Unternehmen war gar der Rückzug von Rivella gelb diskutiert worden, wie Mediensprecherin Monika Christener auf Anfrage der «Handelszeitung» bestätigt. «Markttests ergaben, dass der Geschmack zu stark polarisiert. Die Fangemeinschaft war zu klein», sagt Christener. Nach einem fulminanten Start vor einem Jahr ist der Absatz von Rivella gelb abgeflacht. Jetzt erhält das Erfrischungsgetränk auf Sojabasis eine letzte Chance. Seit gut zwei Wochen kommt es in einer neuen Geschmacksrichtung daher. «Frischer und ausgewogener» soll es schmecken. Ein neuer Werbeauftritt soll den Neustart unterstützen.

Diese Werbekampagne wird allerdings von Misstönen begleitet: Rivella hat sich von der Kreativagentur Walker getrennt. Pius Walker wurde 2008 zum Werber des Jahres gekrönt. Seine Agentur sollte den neuen Auftritt kreieren. Über die Gründe der Vertragsauflösung wird nicht informiert. Nun wird der neue Werbeauftritt «in house» gemacht und eine neue Werbeagentur gesucht.

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Auch in Luxemburg

Trotz den Problemen beim Neustart gibt es erste positive Neuigkeiten. «Rivella gelb hat sich in den letzten beiden Wochen recht gut entwickelt», heisst es bei Coop. «Es zeichnet sich die Tendenz ab, dass es nochmals ‹Probierkäufe› von Rivella gelb gibt.» Für Migros ist es «noch zu früh, um seit der Rezepturanpassung konkrete Aussagen zu machen».

Verkauft wird der Softdrink auf pflanzlicher Basis hauptsächlich im Gastrobereich und im Detailhandel bei Coop und Migros, aber noch immer nicht beim Discounter Denner. Auch ins Ausland hat man den ersten Schritt gewagt. So wird Rivella gelb seit kurzem in Luxemburg verkauft.

Keine dritte Chance mehr

Nun muss sich zeigen, ob sich die Konsumentinnen und Konsumenten vom neuen Geschmack überzeugen lassen und mehr zum Gelben greifen als vorher. Denn eines ist klar: «Eine dritte Chance wird es nicht mehr geben», sagt Rivella-CEO Franz Rieder.

Ein Trost bleibt immerhin: Die hohen Werbeaufwendungen für die Lancierung des neuen Produktes scheinen die anderen Rivella-Farben beflügelt zu haben. Der Getränkeabsatz der ganzen Rivella-Gruppe im In- und Ausland belief sich im letzten Jahr auf insgesamt 111,4 Mio l, was einer Steigerung von 7,6% gegenüber dem Vorjahr entspricht. In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr pro Kopf insgesamt 11 l Rivella getrunken.