Gähnende Leere anstelle von Kofferbergen: Das befürchtete Chaos wegen des Streiks bei der Lufthansa ist am Frankfurter Flughafen ausgeblieben. Am Montagmorgen herrscht üblicherweise Rush Hour, doch an diesem Tag ist im Terminal 1 so viel Platz, dass Mitarbeiter des größten deutschen Flughafens in dem Gebäude ungehindert mit Fahrrädern umherkurvten.

Die allermeisten Passagiere der Kranich-Airline blieben zuhause oder nahmen den Zug. Die Strategie der Lufthansa, die Fluggäste per Email oder SMS über den Arbeitsausstand zu informieren, ging auf - nur wenige hatten sich überhaupt zum Airport aufgemacht.

Wenig Verständnis bei den Passagieren

Einer von ihnen ist Horst Hoffart. Der 45-jährige Servicetechniker steht an einem der wenigen Checkin-Schalter an, die in der riesigen Abflughalle noch geöffnet sind. Er hat Glück, sein Flug nach Atlanta wird abheben.

Das ist die Ausnahme, am Montag starten von geplanten 50 Langstreckenflügen der Lufthansa nur eine Handvoll. Verständnis für die Arbeitsniederlegung hat er trotzdem nicht. «Es wurde in letzter Zeit viel zu oft gestreikt», sagt er und schiebt seinen großen blauen Koffer voran.

Glücklich schätzt sich auch das Ehepaar Grabherr aus dem österreichischen Bregenz: Sie wollen in die Karibik und fliegen nicht mit der Lufthansa, sondern mit dem Konkurrenten Condor. «Eigentlich sollte die Lufthansa als deutsches Unternehmen verlässlich sein», sagt Günter Grabherr. Die Streikserie schade aber dem Ruf des Konzerns. «Für die Reisenden ist das schrecklich.»

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Erstes Angebot abgelehnt

Die Lufthansa hat heute wegen des Verdi-Streiks so gut wie alle der insgesamt vorgesehenen mehr als 1700 Flüge gestrichen. Mit dem Ausstand verschärfte Verdi nochmals die Gangart im Tarifstreit mit der Lufthansa, nachdem es im März bereits erste Warnstreiks gegeben hatte.

Lufthansa hatte am Mittwoch erstmals ein Angebot vorgelegt, das Verdi aber als nicht verhandlungsfähig ablehnt. In dem Tarifstreit geht es um die Gehälter von rund 33'000 Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine.

(jev/rcv/reuters)