1. Home
  2. Unternehmen
  3. Libor-Affäre: Banken fürchten Einzel-Bestrafung

Libor-Affäre: Banken fürchten Einzel-Bestrafung

Londons Banken-Skyline: Welche Geldhäuser nach einer Gruppenlösung suchen, ist noch unklar. (Bild: Keystone)

Sie wollen öffentlichen Anfeindungen unbedingt entgehen: Mehrere Banken suchen im Zuge des Skandals um Zinsmanipulationen eine Gemeinschaftslösung mit den Aufsichtsbehörden.

Veröffentlicht am 20.07.2012

Im Skandal um Zinsmanipulationen bekommen manche Beteiligte offenbar kalte Füsse: Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bemühen sich mehrere ins Visier der Ermittler geratene Grossbanken um einen Gruppen-Vergleich mit den Aufsichtsbehörden.

Mit den Überlegungen vertraute Personen sagten Reuters, keines der beteiligten Institute wolle wie die britische Barclays-Bank für sich genommen bestraft werden. Barclays hatte mit den Aufsichtsbehörden der USA und Grossbritanniens auf eine Geldbusse von 453 Millionen Dollar geeinigt, Bankchef Bob Diamond trat in der Affäre um den Interbanken-Zinssatz Libor zurück.

Die an den Beratungen beteiligten Banken wollten vermeiden, wie Barclays von Politikern und Öffentlichkeit angefeindet zu werden, schreibt Reuters. Die Diskussionen steckten noch in der Anfangsphase. Die Debatte unter den Banken habe bereits vor der Einigung Barclays mit den Behörden begonnen. Nicht bekannt wurde, welche Banken nach einer Gruppenlösung suchen.

Fünf Banken im Zentrum

Die weltweiten Ermittlungen richten sich gegen mehr als ein Dutzend Banken. Laut Berichten vom Donnerstag sehen die Aufsichtsbehörden aber fünf Geldhäuser im Zentrum des Skandals: Händler von Barclays waren demnach die Führungsfiguren in einem Ring, dem auch die französischen Banken Crédit Agricole und Société Générale, die britische HSBC sowie die Deutsche Bank angehörten.

Einer der Händler, der im Visier der Ermittler steht, arbeitet mittlerweile bei der Genfer Privatbank Lombard Odier. Für die Dauer der Untersuchung wurde er vom Handel ausgeschlossen.

Der Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Er wird einmal täglich in London ermittelt und basiert auf den Angaben der Grossbanken zu ihren Refinanzierungskosten. Mit falschen Angaben konnten die Banken ihre wahren Refinanzierungskosten verschleiern und Handelsgewinne einstreichen.

(tno/aho)

Anzeige