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Trickserei
Libor-Skandal: Behörde bohrt bei Deutscher Bank

Hauptsitz in Frankfurt: Für die Deutsche Bank wird es ungemütlich. (Bild: Bloomberg)

Bei den Ermittlungen im Rahmen der angeblichen Manipulation des Referenzzinssatzes hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin laut Medienbericht Händler und andere Mitarbeiter befragt.

Veröffentlicht am 18.10.2013

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin weitet ihre Untersuchungen im Skandal um die angebliche Manipulation des Referenzzinses Libor aus. Die Bonner Behörde erforsche nun auch die Frage, wie die mutmasslichen Tricksereien bei der Deutschen Bank genau vonstatten gehen konnten, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Dazu habe sie in den vergangenen Monaten mehr als eine Handvoll Händler und andere Mitarbeiter des Instituts befragt. An den in Singapur lebenden Händler Christian Bittar, der im Fokus der Ermittlungsbehörden steht und der 2011 von der Bank entlassen wurde, ist sie bisher aber noch nicht herangekommen. Das soll sich aber bald ändern, wie es in den Kreisen hiess. Die Aufsicht wolle damit die Erkenntnisse der Bank überprüfen, die diese aus einer internen Untersuchung gewonnen habe.

Tragweite der Probleme unterschätzt

Die BaFin erklärte, sie äussere sich nicht zu Einzelfällen. Bittar und die Deutsche Bank wollten ebenfalls keine Stellung nehmen. Zunächst hatte die BaFin sich auf die Frage konzentriert, ob die Bank oder deren Führungsspitze Fehler gemacht hätten, die Manipulationen erst ermöglichten. Dabei war sie zu dem Schluss gekommen, dass die Deutsche Bank – wie viele andere – die Tragweite der Probleme unterschätzt habe. Sie fand aber Aufsichtskreisen zufolge wie auch eine interne Bank-Prüfung keine Anhaltspunkte für Fehlverhalten von Top-Managern. Weltweit wird in dem Skandal gegen mehr als ein Dutzend Geldhäuser ermittelt.

Nun versuche die BaFin unter anderem an Bittar heranzukommen, sagte der Insider. Allerdings ist sie dabei auf seine Kooperation angewiesen. Denn der Händler arbeitet nicht mehr für die Deutsche Bank, so dass die BaFin keinen direkten Zugriff mehr auf ihn hat.

Befragungen in Singapur

Nach einem Bericht des «Handelsblatts» haben Ermittler der Londoner Finanzaufsicht FCA Bittar bereits in den vergangenen Wochen an zwei Tagen in Singapur befragt. Die BaFin selbst ist – anders als die Aufseher etwa in Grossbritannien oder den USA – nicht für Strafverfolgung zuständig, sie kann ihre Erkenntnisse aber an die Staatsanwaltschaft weitergeben.

Bittar hatte für das Jahr 2008 bei der Deutschen Bank einen Rekordbonus von 80 Millionen Euro bekommen, der aber nicht ganz ausgezahlt worden ist. Er war damit vermutlich der bestbezahlte Banker des Geldhauses.

(reuters/vst)

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