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Libor-Skandal: Deutsche Bank geht auf Risiko

Hauptsitz in Frankfurt: Kein Kommentar zu Rückstellungen für Libor-Strafen. (Bild: Bloomberg)

Die grösste deutsche Bank hat laut Medienbericht für mögliche Zivilklagen noch keine Rückstellungen gebildet. Die Höhe möglicher Schadenersatzforderungen ist noch nicht absehbar.

Veröffentlicht am 04.11.2013

Die Deutsche Bank hat laut einem Pressebericht für die anhängigen Zivilklagen im Libor-Skandal noch keine Rückstellungen gebildet. «Die Rechnungslegung IFRS erlaubt dies erst, wenn die Höhe einer möglichen Strafzahlung anhand von ähnlichen Fällen abschätzbar ist», zitiert das «Handelsblatt» am Montag einen Insider. Das Bankhaus wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Neben den noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen internationaler Aufsichtsbehörden häufen sich inzwischen auch Schadenersatzforderungen von Unternehmen. Am vergangenen Donnerstag reichte etwa der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae in New York Klage gegen die Deutsche Bank sowie acht weitere Banken ein. Das Unternehmen fordert von den Instituten rund 800 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Fannie Mae sieht sich durch die Manipulation der Libor-Zinssätze geschädigt, zu denen sich die Banken untereinander Geld leihen.

Mehr als ein Dutzend Grossbanken verklagt

Die Klage könnte ein Indiz dafür sein, dass das Risiko privater Schadensersatzforderungen für die Deutsche Bank noch grösser sein könnte als die Gefahr möglicher Strafzahlungen an internationale Behörden. Bereits im März hatte Freddie Mac, das Schwesterunternehmen von Fannie Mae, mehr als ein Dutzend Grossbanken wegen der Folgen der Libor-Manipulationen verklagt. Schon vor mehr als einem Jahr hatte sich das Bankhaus Metzler einer US-Sammelklage gegen die Deutsche Bank angeschlossen.

Die Behörden haben weltweit bislang Strafen in Milliardenhöhe wegen des Libor-Skandals verhängt. Gegen zahlreiche Institute laufen noch Ermittlungen, darunter auch gegen die Deutsche Bank. Diese könnten zu «hohen Geldstrafen» führen, schrieb die Deutsche Bank am Dienstag in ihrem Quartalsbericht. Wegen der drohenden Zahlungen erhöhte das Institut in diesem Jahr seine Rückstellungen für Rechtsrisiken um 1,2 Milliarden auf 4,1 Milliarden Euro.

Der täglich in London festgestellte Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er wird bislang aus den wenig kontrollierten Eingaben von einigen Kreditinstituten gebildet. Schon winzige Veränderungen können dabei grosse Wirkungen haben, denn der Libor wird als Grundlage für eine grosse Zahl an Finanzgeschäften herangezogen. Sie reichen von Krediten für Bauherren von Immobilien bis hin zu komplexen Derivategeschäften.

(awp/vst/rcv)

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