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Libor-Skandal: Ex-RBS-Händler erhebt Vorwürfe

Die RBS wehrt sich gegen die Vorwürfe. (Bild: Keystone)

In Singapur klagt ein ehemaliger Händler der Royal Bank of Scotland gegen seine Entlassung. Und bezieht sich dabei auf den Skandal um den Referenzzinssatz Libor.

Veröffentlicht am 23.08.2012

Im Banken-Skandal um Zinsmanipulationen erhebt ein früherer Händler der Royal Bank of Scotland (RBS) Vorwürfe gegen die Bank. In jetzt bekannt gewordenen Gerichtsunterlagen beschreibt der Ex-Mitarbeiter Tan Chi Min, wie Händler des Hauses versucht haben sollen, den Referenzzinssatz Libor zu verzerren.

Er habe dabei den Eindruck bekommen, bei der RBS könne im Prinzip jeder den Zins nach eigenem Gutdünken verändern. Der Händler klagt in Singapur gegen seine Entlassung, die er für unbegründet hält. Er fordert entgangene Boni ein.

Die Bank bestreitet die Vorwürfe und betont, Tan sei wegen groben Fehlverhaltens entlassen worden. Die Bank hatte ihn wegen der Libor-Manipulation im November 2011 vor die Tür gesetzt. Eine Sprecherin bekräftigte, dass die RBS einige Mitarbeiter in Folge der Libor-Untersuchungen entlassen habe. Das Institut arbeite weiter eng mit den Behörden zusammen.

Mehr als ein Dutzend Institute im Visier der Ermittler

Weltweit sind wegen des Skandals mehr als ein Dutzend Finanzinstitute im Visier der Ermittler, darunter auch die zwei Schweizer Grossbanken. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf mehrere Ringe von Händlern, die den Libor und andere Referenzzinssätze verzerrt haben sollen, um Gewinne einzustreichen.

Die Sätze, die auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten beruhen, sind die Basis für Finanztransaktionen in Billionen-Höhe. Einige Anleger klagen in dem Zusammenhang in den USA bereits auf Schadenersatz. Die britische Bank Barclays hatte als Erste ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt und muss eine Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar zahlen.

Management war im Bilde

Bislang sind nur wenige Details davon bekannt, wie in den Häusern die Manipulationen genau abgelaufen sind. Der Libor wird täglich auf Basis der Angaben der einzelnen Banken in London ermittelt. In den Gerichtsunterlagen mit Datum 10. August beschreibt Tan, dass in einem Fall ein Händler von einem anderen Bereich die Libor-Meldung in letzter Minute noch geändert habe, obwohl er gar nicht dafür zuständig gewesen sei.

An einem anderen Tag habe ein Händler, der für die Abgabe der Libor-Meldung verantwortlich sei, Kollegen ermuntert, ihm möglichst hohe Sätze zu geben - das sei dann auch so an andere Mitarbeiter weitergegeben worden. Tan zufolge hat er dies auch vor seiner Entlassung der Bank mitgeteilt. Das Management sei somit über die Abläufe im Bilde gewesen.

(laf/jev/awp)

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