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Libor-Skandal: Schweizer Behörden im Schneckentempo

Beschauliche Schweizer Ermittlungen in der Welt von «Big Finance». (Bild: Keystone)

Im Zinsmanipulations-Skandal rollen bei Barclays Köpfe. In der Schweiz, wo auch UBS und Credit Suisse im Visier stehen, scheint die ermittelnde Weko an ihre Grenzen zu stossen.

Von Volker Strohm
am 03.07.2012

Gestern Verwaltungsratspräsident Marcus Agius, heute Firmenchef Robert Diamond - bei der Barclays Bank rollen die Köpfe gleich reihenweise. Der Hintergrund: Das britische Finanzinstitut wurde vergangene Woche im Rahmen der «Libor-Affäre» zu einer 450 Millionen Dollar schweren Strafe verurteilt.

Hintergrund ist die Tatsache, dass über 20 Banken unter Verdacht stehen, über Jahre hinweg ihre Kunden mit verfälschten Zinssätzen über den Tisch gezogen zu haben. Aufgeflogen ist der Fall durch die Selbstanzeige der UBS - auch gegen die Credit Suisse ermittelt hierzulande die Wettbewerbskommission (Weko) mittlerweile.

2014 - oder auch später

Und ein Resultat ist vorerst nicht absehbar: «Aufgrund der Komplexität der betreffenden Untersuchung ist die Dauer des Verfahrens äusserst schwierig abzuschätzen», sagt Olivier Schaller, Vizedirektor des Weko-Sekretariats, auf Anfrage von «Handelszeitung Online». Mit anderen Worten: Die Behörde, die in den verschiedensten Branchen aktiv ist, scheint mit den komplexen Finanzgebilden an ihre Grenzen zu stossen.

Konkret wird Schaller nicht: «Das Weko-Sekretariat geht davon aus, dass diese Untersuchung mindestens zwei Jahre dauern wird.» Das heisst: Vor Frühling 2014 müssen UBS und CS nichts befürchten.

Wettbewerbs- nicht Finanzbehörde

«Die Busse gegen Barclays hat die britische Financial Services Authority ausgesprochen», sagt Schaller - und äussert damit zwischen den Zeilen Kritik. «Das Pendant in der Schweiz ist die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma und nicht die Weko.» Diese, die Finma, ist aber deshalb nicht involviert, weil sich die Untersuchungen der Libor-Manipulation auf das Kartellgesetz und nicht das Bankengesetz stützen.

Der Finanz-Blog «Paradeplatz Inside» bezeichnet diesen Umstand als «Feigenblatt-Rolle» und fragt: «Wie will eine Behörde, die sich um Autoimporte und Handy-Tarife kümmert, die Mutter aller Interessenskonflikte von Big Finance à fonds aufarbeiten?»

Wortkarge Betroffene

Wie gross das Ausmass des Falles ist, macht die Zahl von geschätzten 350 Billionen Dollar deutlich - Zinspapiere in diesem Umfang richten sich gemäss Schätzungen weltweit an den Interbanken-Zinssätzen Libor und Tibor aus.

Bei den betroffenen Schweizer Banken gibt man sich wortkarg: Bei der UBS laufen gemäss Anfrage interne Abklärungen. «Wir kooperieren bei den Untersuchungen», sagt UBS-Sprecherin Dominique Scheiwiller. An welchem Punkt die aktuellen Untersuchungen stünden, wird nicht kommentiert. Und auch CS-Sprecherin Katrin Schaad will offiziell keinen Kommentar abgeben. Die Bank habe mit den Quartalszahlen die laufende Untersuchung bestätigt. «Mehr kann dazu nicht gesagt werden.»

(Redaktionelle Mitarbeit: Reto Vasella)

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