Europäische Supermärkte machen sich derzeit in den USA breit. Auch die deutsche Kette Lidl bereite momentan dutzende Filialen an der amerikanischen Ostküste vor, sagte ein Sprecher gegenüber Business Insider.

Wieviele Lidl-Märkte in Planung sind möchte das Unternehmen noch nicht bekannt geben, aber nach Angaben der Immobilienfirma «CoStar» sind bis 2018 bis zu 150 Filialen geplant. Insgesamt kommt das Unternehmen in 26 europäischen Ländern auf 10’000 Läden.

Filialen in Planung

Laut US-Lokalnachrichten sollen auch schon in zahlreichen US-Städten Mietverträge für die jeweiligen Filialen aufgesetzt worden sein. Auf der Seite des Unternehmens werden auch schon Stellen als «Storemanager» ausgeschrieben.

Der US-Unternehmenssitz von Lidl ist in Arlington, Virginia. Gesucht werden Mitarbeiter für Filialen in Cecil County (Maryland), Mebane (North Carolina) und Fredericksburg (Virginia).

Aldi ist schon vor Ort

Der deutsche Konkurrent Aldi hat bereits 1300 Filialen in den USA — beide Discounter sind international für niedrige Preise bekannt. Den Markt in Grossbritannien haben die beiden Unternehmen mit dieser Strategie in den vergangenen Jahren bereits erobert und die Supermärkte der Insel in einen Preis-Kampf getrieben.

Bei beiden Discountern gingen die Verkaufszahlen in Grossbritannien im letzten Quartal durch die Decke. Lidl verkaufte 13,8 Prozent mehr und Aldi 11,5 Prozent, so «Kantar Worldpanel». Die vier grössten britischen Supermarktketten mussten hingegen Verluste hinnehmen: Tesco verkaufte 1,3 Prozent weniger, bei Morrisons sanken die Verkäufe um 2,4 Prozent, bei Sainsbury's um 1,4 Prozent und Asda verkaufte 5,9 Prozent weniger.

Erfolg dank Günstigpreis

Diese Entwicklung hat sich schon in den vergangenen Jahren angedeutet, denn genau diese vier Konkurrenten wurden von Aldi und Lidl in Grossbritannien ins Visier genommen. Der Grund für den Erfolg von Lidl und Co. sind eindeutig deren niedrige Preise: Wie der «Daily Star» berichtet ist Lidl derzeit der günstigste Supermarkt auf der Insel.

In den USA sollen die Läden von Lidl 2700 bis 3300 Quadratmeter gross sein, also doppelt so gross wie die dortigen Aldi-Filialen, aber trotzdem viel kleiner als die traditionellen, amerikanischen Supermärkte wie etwa «Kroger», die im Schnitt 15’000 Quadratmeter gross sind.

Begrenzter Kundenservice

Wie auch Aldi hält Lidl die Preise durch eine begrenzte Warenauswahl niedrig, während traditionelle Supermärkte oft das gleiche Produkt von unzähligen Herstellern im Sortiment haben. Auch beim Kundenservice und der Werbung spart Lidl im Gegensatz zur Konkurrenz. Die meisten Produkte werden gar nicht erst aus den Transportkartons herausgenommen. Dadurch werden Personalkosten gespart, die andere Supermärkte ausgeben müssen, um die Produkte ins Regal zu räumen.

Um in den USA mit Aldi mithalten zu können, muss Lidl jedoch einiges tun. Aldi besitzt dort nämlich bereits 1300 Filialen und hat 600 weitere in Planung.

Ein Preiskampf steht bevor

Wenn die beiden Unternehmen in den Staaten jedoch den Erfolg aus Grossbritannien wiederholen können, wird das den Markt in den USA grundlegend verändern. Schon in Grossbritannien haben sich die grössten vier Supermarktketten in einen harten Preiskampf begeben. 

Experten warnen jedoch, dass sie sich den nicht auf Dauer leisten können. Denn selbst bei Preisen, bei denen sie kaum mehr etwas verdienten, gewannen Aldi und Lidl immer noch die meisten Neukunden, so die Analysten.

Es droht ein Jobabbau

Tesco und Morrisons mussten bereits viele Filialen schliessen, Sainsbury's vermietet jetzt Teile ihrer Gewerbeflächen an andere Unternehmen. Ein ähnliches Supermarktsterben könnten nun auch in den USA bevorstehen — und darunter würde nicht nur die Produktvielfalt leiden. Auch viele Menschen, die bei den aktuellen Platzhirschen im Lebensmittelbereich beschäftig sind, könnten ihre Jobs verlieren.

Dieser Artikel erschien zuerst im «Business Insider Deutschland» unter dem Titel «So will Lidl die USA erobern — und das könnte verheerende Auswirkungen haben».

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