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Korruption
Liederliche Compliance bei Bank Coutts

Bank Coutts AG: Jahrelang PEPs nicht überprüft. Keystone

Die Bank Coutts hat schon wieder eine millionenschwere Busse im Haus. Diesmal kommt die Sanktion aus Hongkong. Wegen gravierender Mängel bei der Geldwäscherei- und Terrorismus-Prävention.

Von Christian Bütikofer
am 12.04.2017

Die Bank Coutts blutet nach Bussen in der Schweiz und Singapur ein weiteres Mal wegen schwacher Compliance. Die Finanzmarktaufsicht in Hongkong (Hong Kong Monetary Authority - HKMA) belegte die Bank Coutts nach einer Untersuchung mit einer Busse von 7 Millionen Hongkong-Dollar, umgerechnet rund 908'000 Schweizer Franken.

Mindestens zwischen April 2012 und Juni 2015 verfügte die Bank Coutts über keine oder völlig ungenügende Vorkehrungen, politisch exponierte Personen (so genannte PEPs) adäquat zu identifizieren und deren Aktivitäten entsprechend zu überprüfen. Bei PEPs gelten besonders hohe Compliance-Anforderungen, da für sie durch ihre Verbindungen Korruption und Bestechung besonders einfach zu bewerkstelligen sind.

Gelder an unbekannten Stifter

Als Coutts über verdächtige Kontenbewegungen von PEPs informiert wurde, tätigte die Bank monatelang keine Abklärungen, in einem Fall blieb man sogar jahrelang untätig.

In einem anderen Fall unterliess es die Bank, ihre Geschäftsbeziehung zu einem besonders riskanten Klienten zu überprüfen. Dabei handelte es sich um eine gemeinnützige Stiftung mit engen Banden zu einem Hochrisikoland, wo nicht einmal klar war, wer die Stiftung letztlich kontrolliert.

Schwache Figur im Fall 1MDB

Das vernichtende Urteil aus Hongkong kommt wenige Monate, nachdem die Bank auch von der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma und der Finanzmarktaufsicht von Singapur (Monetary Authority of Singapore - MAS) an die Kasse kam. MAS verfügte gegen Coutts eine Busse von 2,4 Millionen Singapur-Dollar (umgerechnet etwas über 1,7 Millionen Schweizer Franken). Im Februar stellte die Finma fest, die Bank Coutts hätte «schwerwiegende Mängel in der Geldwäschereibekämpfung». Dies wurde im Milliarden-Korruptionsfall um den malaysischen Staatsfonds 1MDB offensichtlich.

Bereits 2003 bahnten Coutts-Mitarbeiter Geschäftsbeziehungen mit dem Staatsfonds 1MDB an. Sie war die erste Schweizer Bank, die Vermögen aus diesem Umfeld entgegengenommen hatte - zeitweise lagen über 2,4 Milliarden Schweizer Franken aus dem 1MDB-Umfeld auf Schweizer Konten der Bank Coutts. Die Finma zog bei Coutts unrechtmässige Gewinne durch die 1MDB-Deals in der Höhe von 6,5 Millionen Schweizer Franken ein.

Schweizer Zweig verkauft

Die Regulierer aus Hongkong schreiben in ihrem Bericht nicht, dass die zahlreichen Verfehlungen der Bank im Zusammenhang mit dem Staatsfonds 1MDB passierten - es dürfte sich jedoch auch um diesen Fall handeln.

Im Sommer 2015 machte Coutts bekannt, dass sie ihre Tätigkeit in der Schweiz einstellen werde. Ein Grossteil der Kundenvermögen wurde zwischenzeitlich an die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) verkauft. Coutts gehört heute zur britischen Grossbank RBS.

RBS begrüsst Entscheid

Ein RBS-Sprecher sagte handelszeitung.ch, man begrüsse die Schlüsse der Hongkonger Finanzmarktaufsicht und man habe intensiv an Massnahmen gearbeitet, dass solche Verfehlungen nicht mehr vorkommen würden. «Wir bedauern die vergangenen Fehler in unserer Geldwäscherei-Bekämpfung und sind dabei, die Schweizer Tochtergesellschaft abzuwickeln.» Der Verkauf in der Schweiz zeige die inzwischen veränderte Sicht der RBS und deren Tochterfirmen zu Risikogeschäften, sagte der Sprecher weiter. Der jüngste Befund der Hongkonger Finanzmarktaufsicht sei zudem völlig unabhängig zu anderen Ermittlungen betreffend Coutts & Co. und 1MDB.

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