Die Saläre der Top-Manager sind bei den grössten Schweizer Unternehmen 2008 insgesamt deutlich gesunken. Sorgt die wirtschaftliche Abkühlung im laufenden Jahr für einen weiteren Rückgang?

Hans Münch: Ja. In einzelnen Branchen wurden im letzten Jahr noch Rekordergebnisse ausgewiesen, während andere Wirtschaftssektoren markant schlechter abschnitten. Die rückläufigen Geschäftszahlen im 1. Quartal 2009 deuten aber darauf hin, dass Firmen, bei denen Mitarbeiter bislang noch hohe Boni beziehen konnten, geschäftsbedingt für das laufende Jahr geringere variable Vergütungen ausschütten werden.

Bei den Banken wurde teils massiv reduziert. Welche anderen Branchen geraten jetzt in den Abwärtssog?

Münch: Die schlechten Zahlen kommen aktuell besonders aus der Maschinenindustrie und von den Bauzulieferern.

Die börsenkotierten Unternehmen unterliegen laufend strengeren Publizitätsvorschriften. Hat diese erhöhte Transparenz eine stärkere Flexibilisierung bei den Managementgehältern bewirkt?

Münch: Die Offenlegung beschränkt sich nicht nur auf Zahlen. Im Vergütungsbericht muss eine Firma auch darlegen, wie die Lohnausweise zustande gekommen sind. Die Verwaltungsräte - also die für die Top-Management-Vergütung Verantwortlichen - müssen sich genau überlegen, wie sie die Saläre nach aussen begründen.

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Allerdings weisen nur rund ein halbes Dutzend der grössten kotierten Unternehmen die Gehälter der einzelnen Geschäftsleitungsmitglieder im Detail aus.

Münch: Ja, daher fordern wir schon lange einen nach Vergütungskomponenten aufgeschlüsselten, individuellen Vergütungsausweis auf Geschäftsleitungsebene.

Wo befindet sich die Schweiz in Sachen Lohntransparenz, verglichen mit anderen Ländern?

Münch: Bei der Geschäftsleitung besteht noch Aufholpotenzial mit dem Einzelausweis und den verschiedenen Lohnpositionen. Hier könnten die Firmen auf freiwilliger Basis bereits für mehr Transparenz sorgen.

Die Bonuszahlungen haben sich markant vermindert. Verliert dieser Teil der variablen Vergütung an Bedeutung?

Münch: Auch wenn die variablen Bezüge derzeit aufgrund der geschäftlichen Entwicklungen in vielen Fällen deutlich geringer ausfallen als in den Vorjahren, ist ihre Bedeutung als erfolgsbasiertes Korrektiv in der Vergütungspraxis weiterhin gegeben. Insbesondere mit dem Bonus als kurzfristiger Stellschraube kann das Gesamtsalär deutlich nach unten oder nach oben verschoben werden.

Und bei den Langfristvergütungen?

Münch: Mit Blick auf die langfristigen variablen Bezüge gehören die klassischen Aktienoptionspläne der Vergangenheit an, da die in ihnen enthaltende Alles-oder-Nichts-Logik weder im Sinne der Aktionäre noch der Führungskräfte ist. Allerdings wird es auch künftig Langfrist-Vergütungspläne geben, wenngleich in erster Linie mit einer Abgeltung in Aktien und gekoppelt an die Performance, die über drei bis fünf Jahre gemessen wird. Durchsetzen werden sich vermehrt auch Caps, also Obergrenzen in der Auszahlung.

Wie wird das erreicht?

Münch: Mit einer Mischung von Kennzahlen, die eine Schwankung der variablen Bezüge in einem abgesteckten Rahmen erlaubt.

Von wissenschaftlicher Seite gibt es ebenfalls erhebliche Kritik an den horrenden Bonuszahlungen. Ist das ein vorübergehendes Phänomen oder wird sich die Salärstruktur nachhaltig verändern?

Münch: Nicht nur aus akademischer Sicht ist es nicht gut, wenn Leute in ein bis zwei Jahren so vermögend werden, dass sie die Arbeitstätigkeit aufgeben könnten. Diese Life-Changing-Boni sind auch ökonomisch nicht sinnvoll.

Werden die Fixsaläre stärker nach oben angepasst?

Münch: Generell nein.

Die Löhne der Banken wurden teilweise stark zurückgestuft. Gleichen sich jetzt die Vergütungsniveaus der einzelnen Branchen einander an?

Münch: Nicht unbedingt, aber die Banken rennen den anderen Wirtschaftszweigen nicht mehr im gleichen Mass davon, wie sie das in den letzten Jahren gemacht haben. Neue Regulierungen der Bankenaufsicht dürften auch einen korrigierenden Effekt haben.

Wie gut sind die Schweizer Top-Manager bezahlt?

Münch: Bei den stark international agierenden Gesellschaften sind die CEO gut bis sehr gut entschädigt. In den mittleren und kleineren Unternehmen verdienen die Chefs ähnlich wie ihre Kollegen in den wichtigsten Industrieländern. Generell gibt es bei uns weniger umfassend Long Term Incentives, also Aktienoptionen mit ihrer enormen Hebelwirkung, wie sie speziell in den USA zu finden sind. Vergleicht man die Managerlöhne anhand der Umsatz- und Mitarbeiterzahlen vergleichbarer Unternehmen im übrigen Europa, dann wird in der Schweiz sehr gut bezahlt.