Lindt & Sprüngli konnte seit Jahresbeginn massiv zulegen. Ist das schon der Effekt des Sponsorings von Roger Federer?

Ernst Tanner: Das hat damit noch gar nichts zu tun. Wir haben Roger Federer ja noch nicht einmal in der Werbung gezeigt.

Was bringt denn das Sponsoring?

Tanner: Er bringt unsere Marke näher zum Konsumenten - auf eine ganz sympathische Art und Weise. Auf den Umsatz wird das wohl keine grossen Auswirkungen haben. Aber wir denken, dass wir mit ihm eine jüngere Kundschaft effizienter ansprechen können.

Gewinn und Marge haben wieder das Niveau vor der Krise erreicht. Haben Sie von der Krise profitiert und Marktanteile dazugewonnen?

Tanner: Wir haben seit Jahresbeginn ein Volumenwachstum von 8,2% erreicht, während die meisten Märkte nur um 1 bis 2% gewachsen sind. Daran erkennt man, dass wir überall Marktanteile dazugewonnen haben, wo wir mit der Marke Lindt vertreten sind. In den grossen und wichtigen Märkten USA und England haben wir sogar zweistellig zugelegt.

Wie haben Sie das geschafft?

Tanner: Wir haben auch im schwierigen Übergangsjahr 2009 stark in Werbung und Marketing investiert und dadurch den Umsatz trotz miserabler Konsumentenstimmung leicht gesteigert. Zudem haben wir auch Rationalisierungsmassnahmen durchgeführt. In den Werken haben wir im vergangenen Jahr die Effizienz gesteigert und die Komplexität der Abläufe vereinfacht. Das alles hat sich jetzt positiv auf den Gewinn ausgewirkt.

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Die Preise für Kakao sind zeitweise stark gestiegen. Wie viel konnten Sie auf die Kunden abwälzen?

Tanner: Sehr wenig, das ist nur punktuell möglich, etwa bei Produkten mit hohem Kakaogehalt, wo höhere Preise für den Kunden nachvollziehbar sind.

Aber es ist machbar.

Tanner: Bei bestehenden Produkten ist es fast unmöglich, gegenüber Handelspartnern höhere Preise durchzusetzen. Der Preiswettbewerb ist hart. Und wir würden riskieren, kurzfristig Marktanteile zu verlieren.

Wie sieht es bei neuen Produkten aus? Haben Sie da bei der Preisgestaltung mehr Spielraum?

Tanner: Ja. Deshalb müssen wir immer wieder neue Produkte einführen, bei denen wir eine höhere Preislage rechtfertigen können. Bei neuen Produkten achten wir auf eine höhere Wertschöpfung.

Wohin steuert der Kakaopreis?

Tanner: Wir haben unsere Preise absichtlich nicht generell und substanziell erhöht, weil wir wussten, dass der überhöhte Preis von bis zu 2500 Pfund pro Tonne zu einem grossen Teil auf Spekulation beruhte und sich wieder auf einem tieferen Niveau einpendeln würde, das auf Angebot und Nachfrage basiert. Jetzt sind wir wieder bei etwa 2000 Pfund pro Tonne, und wir gehen davon aus, dass sich der Preis ungefähr auf diesem Niveau stabilisieren dürfte.

Die Kasse füllt sich mehr und mehr. Wächst da nicht auch der Appetit auf weitere Akquisitionen?

Tanner: Ja, wenn Sie uns etwas nennen könnten, was zu uns passt. Eine Akquisition ist für uns nicht Selbstzweck, nur weil wir auf viel Geld sitzen. Sie muss ganz klare Kriterien erfüllen. Und wenn sie das nicht tut, dann investieren wir lieber in die Marke Lindt - die einzige Marke, die im Premium-Segment weltweit etabliert ist.

Welche Kriterien müssten für eine Akquisition erfüllt sein?

Tanner: Wenn es etwas wie die berühmte US-Marke Ghirardelli wäre. Es bräuchte einen guten Ruf für hohe Qualität, eine Premium-Schokolade in einem grossen Markt. Es müsste aber auch eine Firma sein, die uns dazu verhelfen würde, die Marke Lindt schneller, effizienter und breiter in einem Markt zu etablieren.

In Anbetracht der guten Halbjahreszahlen mit einem Betriebsergebnis, das höher als im Rekordjahr 2008 liegt, stellt sich die Frage, ob auch das Gesamtjahr mit einem Rekordergebnis von mehr als 360 Mio Fr. abschliessen wird.

Tanner: Dazu wird es nicht ganz reichen. Wir rechnen mit etwa 320 Mio Fr. Die Konsumentenstimmung ist noch nicht wieder auf dem Höhepunkt, vor allem in den USA nicht. Auch der Handel geht nicht von einem rekordmässigen Weihnachtsgeschäft aus.