Anleger in der Schweiz können sich bei Problemen mit Vermögensverwaltern nicht auf die eidgenössische Finanzaufsicht verlassen», klagt Patrick Elixmann von der Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte im deutschen Siegburg. Er vertritt die Interessen von mehreren Dutzend Investoren, die höhere fünfstellige Beträge von der Zuger Swiss Financial Partners (SFP) verwalten liessen. Die Aktiengesellschaft wird auf Anordnung der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) zwangsliquidiert. Unter anderem wegen illegalen Effektenhandels und Überschuldung. Wie viele Anleger in welchem Ausmass geschädigt worden sind, ist noch nicht bekannt.

Mit der Durchführung des Konkursverfahrens sind die beiden Anwälte Peter M. Conrad und Basil Huber aus Baden betraut worden. Die Liquidatoren schlagen den Geschädigten in einem Schreiben vom 5. Februar 2008 eine neue Vermögensverwalterin vor, die St. Galler OFL AG. Das stösst dem Vertreter der Geschädigten, Patrick Elixmann, sauer auf. «Dass die mit der Liquidation betrauten Rechtsanwälte den geprellten Anlegern Adressen von neuen Vermögensverwaltern unter die Nase schieben, finde ich grundsätzlich fragwürdig», kritisiert er. Noch brisanter: Im Management der OFL sass zu diesem Zeitpunkt Guido Gilardoni – der ehemalige Geschäftsführer der konkursiten Zuger SFP. Er ist mittlerweile aus der OFL ausgeschieden. Diese Verbindung wird im Schreiben aber nicht transparent gemacht. Elixmann findet, dass dies «haarsträubend» sei und die staatliche Finanzaufsicht «ad absurdum» führe.Zu einem ähnlichen Schluss, wenn auch zurückhaltender formuliert, kommt Manuel Ammann, Wirtschaftsprofessor am Institut für Banken und Finanzen der Uni St. Gallen: Es sei problematisch, wenn offizielle Liquidatoren die Kunden der zu liquidierenden Firma gezielt weitervermitteln würden, findet er.Nichts Anstössiges am Vorgehen empfinden dagegen die Liquidatoren. Conrad erklärt: «Wir haben ja keine Empfehlung abgegeben, sondern lediglich auf die OFL hingewiesen.» Der Entscheid, bei wem die Gläubiger ihr Vermögen in Zukunft verwalten lassen möchten, bleibe ihnen überlassen.

EBK: Ein «dummer Unfall»

Bei der EBK lässt Sprecher Alain Bichsel auf Anfrage durchblicken, dass das Vorgehen nicht genau abgesprochen gewesen sei. Und er räumt ein, dass da ein «dummer Unfall» passiert sei. Der Brief an die Gläubiger sei tatsächlich irreführend, denn der Inhalt suggeriere, die OFL unterstehe der Finanzmarktaufsicht der EBK. Das sei aber, wie bei allen unabhängigen Vermögensverwaltern, nicht der Fall. Die EBK hat in der Zwischenzeit – wohl um den «Unfall» zu korrigieren – die OFL vorsichtshalber schon mal auf ihrer Homepage auf die «Watchlist» gesetzt. Mit dieser Liste warnt sie vor Vermögensinstituten mit wenig transparenten Geschäften, die im Verdacht stehen, einer bewilligungspflichtigen Tätigkeit nachzugehen. Auf der Watchlist finden sich gegenwärtig 35 Namen. Für Thomas Sutter, den Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung, ist klar, wie sich Fälle wie die SFP/OFL vermeiden liessen: «Auch unabhängige Vermögensverwalter müssten, wie wir das schon länger fordern, der Finanzaufsicht des Bundes unterstellt werden.» Die EBK betont im Gegenzug, dass die Kontrollpraxis seit der Einführung des neuen Bankeninsolvenzrechts massiv verschärft wurde, räumt aber ein, dass noch viel Arbeit zu leisten sei. «Denn wir können unabhängige Vermögensverwalter nicht systematisch kontrollieren und nur dann, wenn Verdacht auf eine bewilligungspflichtige Tätigkeit besteht», sagt EBK-Sprecher Bichsel. Das dürfte zu wenig sein, wenn die EBK ihr Ziel, den guten Ruf des Finanzplatzes Schweiz schützen und die Gläubigerinteressen wahren zu wollen, erreichen will. Rechtsprofessor Amman betont: «Zu den Aufgaben der EBK gehörte es auch, die von ihr beauftragten Liquidatoren sorgfältig zu kontrollieren und zu beaufsichtigen.»

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