Das Resultat ist zum Teil völlig überraschend: Wenn Abfall auf die Strasse geworfen wird, ist das letztlich keine Frage der Nähe zum nächsten Kübel. Selbst wenn die Dichte der bereitgestellten Behältnisse gross ist, wird fast ein Drittel des «Güsels» einfach auf den Boden geschmissen. Zu diesen in ihren Konsequenzen alles andere als erfreulichen Resultaten kommt eine Studie, die von den Städten Basel, Bern, Zürich, Lausanne, Illnau-Effretikon sowie vom Schweizerischen Städteverband und dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) in Auftrag gegeben worden war.


Auswärtskonsum trägt Schuld

Von der untersuchten Menge Littering-Material waren etwas mehr als ein Drittel Verpackungen von Take-aways, rund ein Viertel Zeitungen und Werbematerial sowie 20% Zigarettenstummel, Kaugummi und verschiedene andere kleinere Dinge wie Folienpartikel oder Bierdeckel.

10% des detailliert untersuchten Mülls entfielen auf Getränkegebinde. Dazu wurden in der Studie etwa PET-Flaschen, Alu-Dosen oder Glasflaschen gerechnet. Tragtaschen bildeten das Schlusslicht mit nur einem kleinen Anteil.

Aber auch das brachten die sorgfältigen Untersuchungen der Abfälle zutage: Die immer wieder kolportierte Vermutung, teure Sackgebühren förderten das Deponieren des Hausmülls in öffentlich zugänglichen Behältern, hat sich nicht beweisen lassen. Bei der Auswahl der untersuchten Orte wählte man eine realistische Mischung: 26% der Abfälle wurden in Party- und Unterhaltungszonen eingesammelt, 20% in Durchgangsbereichen wie etwa Bahnhof- und Tramstationen oder stark frequentierten Strassen.


Ein psychosoziales Problem

Am grössten war die Littering-Ausbeute mit 48% an Orten, wo gepicknickt wird und wo Menschen Freizeitaktivitäten ausüben. Nicht unerwartet ist hingegen der Schluss, dass Littering vor allem ein psychosoziales Problem ist.

Die Initianten der kürzlich gegründeten Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU), die Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling sowie PET-Recycling Schweiz, sehen veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten, Bequemlichkeit sowie den zunehmenden Hang zum Individualismus als Gründe für die Verschandelung des öffentlichen Raums. Seit Mai sind IGSU-Botschafter in verschiedenen Schweizer Städten unterwegs. Sie klären die Bevölkerung über den Umgang mit recyklierbaren Wertstoffen auf.

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Am meisten «gelittert» wird laut der Studie in Basel, gefolgt von Bern, Zürich und Illnau-Effretikon. Gut zum Ausdruck bringen die Autoren, dass Littering von immer mehr Bewohnerinnen und Bewohnern als störend empfunden wird und in zunehmendem Mass das Stadtleben beeinträchtigen kann.


Alu und PET nicht die Sünder

Dass Getränkegebinde wie Alu-Dosen und PET-Flaschen keinen grösseren Anteil an dem in der Studie untersuchten Abfall hatten, hängt vor allem mit den Anstrengungen der beiden privatrechtlich organisierten Vereinigungen Igora (fürs Aluminium) und PET-Recycling Schweiz (für PET) zusammen.

PET-Recycling Schweiz kann mittlerweile eine Rücklaufquote von 78% ausweisen. Damit wurde ein neuer Sammelrekord erreicht. Würde dieser Anteil unter 75% sinken, könnte der Staat gemäss Hans-Peter Fahrni vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) ein verordnetes Pflichtpfand einführen. Dafür, dass mehr PET-Flaschen zur Wiederverwertung gelangen, sorgt auch der Beitritt von Aldi Ende des letzten und jener von Denner zu Beginn dieses Jahres. Anreiz zum Mitmachen bot gemäss Aldi-Sprecher Sven Bradke das verbesserte Leistungspaket. Es konnte laut Jean-Claude Würmli, Leiter Marketing von PET-Recycling Schweiz, unter anderem dank höherer PET-Marktpreise geschnürt werden. Hinzu kommt, dass die Transportkosten gesenkt wurden, weil der Handel und die Abfüller dazu bereit sind, künftig einen grossen Teil dieser Auslagen selber zu berappen. Beide Faktoren bewirkten, dass der Recycling-Betrag pro Flasche von 4 auf 1,8 Rp. gesenkt werden konnte.

Zum Erfolg trägt auch der kontinuierliche Ausbau des Sammelnetzes bei. Derzeit gibt es schweizweit 23000 PET-Sammelstellen in Unternehmen, Spitälern und Sportanlagen, bei Tankstellenshops, auf Veranstaltungsarealen und grossen Bahnhöfen. Eine neue PET-Flasche kann bis zu 80% aus schadstofffrei rezykliertem Material bestehen.


9 von 10 Dosen kommen zurück

Frohlocken kann auch Daniel Frischknecht von der Igora-Genossenschaft, Zürich, die sich für eine Optimierung des Alu-Recyclings einsetzt. Die Rücklaufquote liegt bei satten 90%. Derzeit werden 9 von 10 Aludosen zurückgebracht; 80% der Behältnisse von Tiernahrung sowie 50% der leeren Tuben landen ebenfalls in den 3000 Sammelstellen, die über die ganze Schweiz verteilt sind. Weil die Schrottpreise angestiegen sind, haben die Igora und die auch auf diesem Gebiet tätige Ferro Recycling für Stahlblechverpackungen den Beitrag an die Kosten für die Transporte zu den Sortierstellen von 60 auf 80 Fr. pro Tonne angehoben.

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GetränkeIndustrie: Positives Echo auf die Sammelbemühungen

Coca-Cola: In der Industrie stossen die Bemühungen von PET-Recycling Schweiz und der Igora auf ein positives Echo. Bei Coca-Cola erinnert Pressesprecherin Madeleine Wohlfahrt daran, wie unverzichtbar Verpackungen generell seien und dass sich die Firma verpflichtet habe, einen «sinnvollen ökologischen Umgang mit ihnen zu pflegen». Als Gründungsmitglied von PET-Recycling Schweiz unterstütze Coca-Cola die Ideologie des Wiederein-satzes von Wertstoffen.

Henniez: Nicolas Rouge von Henniez lobt sowohl das gute Funktionieren wie die Tatsache, dass es Igora und PET-Recycling Schweiz gelungen sei, eine befriedigende privatwirtschaftliche Lösung zu finden. Er bedauert lediglich, dass es immer noch Trittbrettfahrer wie Otto’s gibt.

Thurella: Mediensprecherin Tania Schwarz freut sich vor allem darüber, dass jetzt auch Aldi und Denner ins PET-Recycling-Boot geholt werden konnten. Auch bei Thurella findet man es gut, dass die drohende vorgezogene Entsorgungsgebühr dank hohem Sammelergebnis abgewendet werden konnte.

Rivella: Der Rothrister Süssgetränkehersteller beteiligt sich gemäss der Presseverantwortlichen Monika Christener sogar selber am Sammeln, indem Gebinde von Mitarbeitenden und aus der Gastronomie in Harrassen zurückgenommen werden. Wie in allen im Rahmen der «Handelszeitung»- Umfrage kontaktierten Betrieben ist auch Rivella ausdrücklich daran interessiert, den Anteil an rezykliertem PET bei der Produktion der Flaschen zu erhöhen.