Wie stolz wir waren: Die Schweiz sei so sauber, dass man vom Boden essen könne. So jedenfalls sah uns das Ausland. Das war einmal. Denn es geht bergab mit der Sauberkeit in der Schweiz, die zwar in län-derübergreifenden Vergleichen nicht gerade im Dreck ertrinkt, aber mit einem Problem besonders zu kämpfen hat: Dem Littering. Das achtlose Wegwerfen von Abfall hat derart Überhand genommen, dass es zum Ärgernis geworden ist. Vor allem in urbanen Gegenden, vor allem dort, wo veränderte Lebens- und Essgewohnheiten den Respekt vor der Umwelt verdrängen.

Verschmutzte Strassen und Parkanlagen sind denn auch keine Aushängeschilder. Aber: Schnell muss heute alles gehen, auch die Entsorgung des Abfalls. Also wird dieser einfach liegen gelassen. Kinderstube hin oder her. Selbst das Alter der «Sünder» spielt keine Rolle.

Der Wertewandel in der heutigen Gesellschaft sei, neben den veränderten Lebensgewohnheiten, Schuld an der Misere, heisst es. Was die Anti-Littering-Bemühungen erleich-tert. Die Zielrichtung ist klar. Organisationen, wie etwa die vor wenigen Tagen gegründete Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU), wissen, wo sie die Hebel zur Korrektur ansetzen müssen. Die Rückkehr zu den früher gepflegten Werten und zum Anstand muss im Vordergrund stehen. Propagiert werden müssen die einfachen Regeln des Zusammenlebens. Und argumentiert werden muss mit den Kosten, die das Littering verursacht. 50 Mio Fr. soll die Entsorgung des liegen gelassenen Unrats die Schweizer Kommunen im Jahr zusätzlich kosten, andere Quellen sprechen gar von 100 Mio Fr.

Und wenn das alles nichts nützt, wenn die Abfalllawine weiter anwächst? Bussen, wie sie neuerdings Wallisellen verhängt (Kaugummi ausspucken kostet 30 Fr., Hundedreck liegen lassen 80 Fr.) sind Ultima Ratio. So weit wollen wir es nicht kommen lassen. Wie wäre es, wenn sich die Gratiszeitungen in der Anti-Littering-Bewegung engagieren würden? Denn nicht zuletzt sind sie ein Bestandteil des Problems.

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Fachwort

Littering: Der Begriff stammt aus dem Englischen. Er beschreibt die zunehmende Unsitte, Abfälle im öffentlichen Raum achtlos wegzuwerfen oder liegen zu lassen, ohne die Abfalleimer oder Papierkörbe zu benutzen. Betroffen sind Strassen, Plätze und Parks sowie Anlässe. Littering ist hingegen nicht die illegale Entsorgung von Abfällen aus Haushalten, Industrie oder Gewerbe mit dem Zweck, Entsorgungskosten einzusparen.