Die britische Grossbank Lloyds kürzt nach einer Rekordstrafe der Bankenaufseher die Managerboni. Die Bank muss 117 Millionen Pfund (umgerechnet 168 Millionen Franken) zahlen, weil sie 2012 und 2013 unnötige Kreditausfallversicherungen an Kunden verkauft und Kundenbeschwerden abgeschmettert hat.

So viel hatte die Aufsichtsbehörde FCA bisher keinem anderen britischen Institut für Fehler im Privatkundengeschäft abgeknöpft. Lloyds teilte am mit, die Boni für das laufende Jahr würden deshalb um 30 Millionen Pfund gekürzt. 2,65 Millionen Pfund an Boni, die das Geldhaus bereits für die vergangenen Jahre zugesagt hatte, werden ebenfalls einbehalten.

«Das tut mir sehr leid»

Davon betroffen ist auch Lloyds-Chef Antonio Horta-Osorio, der Insidern zufolge 350'000 Pfund zurückgeben muss. Er hatte 2014 insgesamt 11,5 Millionen Pfund verdient. «Unsere Absichten waren die richtigen, aber wir haben Fehler im Umgang mit Beschwerden gemacht», sagte Horta-Osorio. «Das tut mir sehr leid.»

Für den Lloyds-Chef ist die Strafe ein schwerer Rückschlag bei dem Versuch, die Reputation des Geldhauses wiederherzustellen, das den britischen Steuerzahler in der Finanzkrise 20 Milliarden Pfund gekostet hat. Der britische Staat hält noch 19 Prozent an Lloyds.

Grösster Konsumentenschutz-Skandal

Der Verkauf von unnötigen Kreditausfall-Policen hat sich zum grössten Konsumentenschutz-Skandal in der britischen Geschichte entwickelt. Insgesamt haben die Finanzhäuser des Landes für die Entschädigung von Kunden 26 Milliarden Pfund zurückgestellt, allein bei Lloyds sind es 12 Milliarden.

Die Banken hatten Privatkunden und kleinen Geschäftsleuten zumeist unnötige, für die Bank aber lukrative Versicherungen aufgeschwatzt, die bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit für die Rückzahlung des Kredits geradestehen sollten. Die FCA rügte, Lloyds habe die Beschwerden der Kunden nicht genau genug geprüft oder sie nicht von sich aus auf die Möglichkeit einer Rückforderung hingewiesen.

(sda/tno/hon)

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