Die Basler Agrarchemie-Firma Syngenta soll für 44 Milliarden Franken nach China gehen. Das Unternehmen wäre in deutschen Händen aber besser aufgehoben, ist der Chef des deutschen Chemie-Verbandes überzeugt, wie die Nachrichtenagentur «Bloomberg» berichtet.

«Als Vertreter der Industrie würde ich es bevorzugen, wenn der Agrarchemiemarkt in Deutschland gestärkt würde», sagte Utz Tillmann am Dienstagabend in Frankfurt. Etwas umständlich fügte er an: «Ich könnte mir gut vorstellen, dass es eine deutsche Firma gibt, die möglicherweise noch in den Deal hineingezogen werden könnte.» Genaue Namen nannte Tillmann nicht.

BASF in den Startlöchern

Der Kommentar des Verbandschefs ist eher ungewöhnlich. In der Regel gibt sich die Organisation zurückhaltend, aktuelle Fusionen und Akquisitionen werden nur selten kommentiert. Schon gar nicht, wenn ein Mitglied des Verbandes involviert ist, wie in der aktuellen Diskussion um Syngenta. Denn seit einigen Tagen wird spekuliert, ob der deutsche Chemieriese BASF ein Gegenangebot unterbreiten möchte.

Ob die Deutschen wirklich den Schritt wagen und dem chinesischen Staatsbetrieb ChemChina die Stirn bieten wollen, bleibt abzuwarten. Die BASF-Führung gibt sich zurückhaltend: BASF-CEO Kurt Bock sagte vor einer Woche, dass er einen Zukauf im Bereich der Agrarchemie ins Auge gefasst habe, ohne aber Syngenta zu erwähnen. Ausserdem sei Bock zum Schluss gekommen, dass er «zufrieden» sei mit dem, was er habe.

Schwacher Ausblick

Die Aussage Tillmanns ist auch Ausdruck der Enttäuschung: Umsatz und Produktion der deutschen Chemieindustrie wachsen zwar, allerdings nicht mehr so stark wie erwartet. Vor diesem Hintergrund hat der Verband seine bisherigen Prognosen nach unten korrigiert. Ging Tillmann im Dezember noch davon aus, dass die Branche 2016 ein Produktions- und Umsatzplus von 1,5 Prozent erreichen könnte, sieht der neue Ausblick nur noch einen Zuwachs um 1 Prozent vor.

Tillmann nannte die konjunkturelle Abschwächung in China als Hauptgrund. Das Land habe sich von der Wachstumslokomotive zum Sorgenkind der Weltwirtschaft entwickelt. Die dortigen Turbulenzen an den Börsen seien Ausdruck tiefer struktureller Probleme im Reich der Mitte.

(ise)