Der Schock war gross: Grossbritannien belegt ab sofort Bonuszahlungen von über 25 000 Pfund mit einer Steuer von 50%. Diese Sondersteuer soll von der jeweiligen Bank an den Staat abgeliefert werden, um den Arbeitsmarkt wieder in Schwung zu bringen. Zustimmung fand die Sondersteuer bereits in Frankreich.

Als einer der Ersten zieht jetzt das Broker-Haus Tullett Prebon die Konsequenz: Der Chef Terry Smith erlaubt seinen englischen Händlern, sich in Auslandfilialen versetzen zu lassen. Das Broker-Haus beschäftigt in England rund 700 Angestellte und ist an weiteren Standorten wie New Jersey, Hongkong, Singapur und Tokio präsent.

Über diese Neuigkeiten reibt sich auch die Schweiz die Hände. Vor allem Hedge-Fonds sind von Interesse. Als aussichtsreiche Alternativstandorte werden die Kantone Schwyz und Genf gehandelt. Bereits in der Vergangenheit hat die Schweiz um das Interesse von Hedge-Fonds und ähnlichen Vehikeln gebuhlt - jedoch nicht immer mit Erfolg. So hat die Schweiz bei den Einzel-Hedge-Fonds als Domizil eine vernachlässigbare Stellung. Gemäss Angaben der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht aus dem Jahr 2007 sind hierzulande nur vier Einzel-Hedge-Fonds angesiedelt.

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Das soll sich nun ändern. «Über die Aussenhandelsorganisation Osec betreiben wir seit längerem aktives Standortmarketing», sagt Joana Filippi, Vorsteherin Amt für Wirtschaft im Kanton Schwyz. Dabei diene aber nicht nur der steuerliche Aspekt als Standortvorteil. «Für die Unternehmen ist es wichtig, dass ein Referenzumfeld gegeben ist», sagt Filippi. Aber auch zweisprachige Schulen und die Schaffung eines sozialen Umfeldes seien wichtige Kriterien für HedgeFonds. «Das können wir ihnen bieten», sagt Filippi. Entsprechend verspricht sie sich viel von den neuen Regulierungen in Europa. Dass die Gegebenheiten in Schwyz gut sind, zeigt sich heute schon in den Handelsregistereinträgen. Im vorvergangenen Jahr verzeichnete Filippi einen Nettozuwachs von rund 700 Firmen. «Im ablaufenden Jahr dürften es gleich viel sein», sagt sie.

Wie viele Finanzdienstleister sich darunter befinden, lässt sich aber nicht genau aufschlüsseln. «Die Daten werden nicht so detailliert verwaltet», so Filippi.

Neben Schwyz wird auch Genf als neuer Standort für Finanzfirmen gehandelt. Schwyz dürfte aber die Nase vorn haben. So kämpft Genf mit Wohnungsknappheit und einem wenig attraktiven Steuersatz von 44%.

Trotz dem Aufruhr unter den UK-Bankern wird es aber nicht so rasch zu einer Abwanderung kommen. So haben die jüngsten EU-Richtlinien für Hedge-Fonds nur zu geringen Abwanderungen in die Schweiz geführt.

Dennoch ist das Getöse gross: In den englischen Zeitungen wird noch immer lautstark gegen die Sondersteuer protesiert. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende von Merrill Lynch Europe, Bob Wigley, warnte in der «Sunday Times», dass nun mehr Firmen, als er dies je in seinem Berufsleben erlebt habe, über einen Wegzug aus London nachdenken würden.

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