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Asien
Logistiker leiden unter Chinas Flaute

Container in Shanghai Pudong International Container Terminal LTD (Keystone)

An keinem Hafen der Welt werden mehr Waren umgeschlagen als in Chinas Wirtschaftsmetropole Schanghai. Millionen von Containern mit Produkten «made in China» treten hier ihre Reise um den Globus an.

Von Mathias Peer
am 26.07.2013

Doch der Andrang lässt merklich nach: Der Konjunkturmotor stottert in dem Land, das noch bis vor kurzem Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten vorzuweisen hatte. Das Exportgeschäft brach zuletzt überraschend ein: Im Juni gingen die Warenausfuhren der zweitgrössten Wirtschaftsmacht der Welt im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,1 Prozent zurück. Besonders die niedrige Nachfrage aus Europa macht dem Land zu schaffen.

Für Beunruhigung sorgen die schlechten Zahlen aber nicht innerhalb der Regierung von Premierminister Li Keqiang. Auch in den Vorstandsetagen internationaler Logistikfirmen macht sich Pessimismus breit. Die Exportwirtschaft Chinas gilt für die Branche als unverzichtbarer Wachstumstreiber. Wenn die Warenausfuhren sinken, bekommen auch viele Logisiker ein Problem.

Bereits Anfang des Jahres äusserten sich die Top-Manager aus dem Logistikgewerbe aufgrund der unsicheren Lage in China höchst zurückhaltend über die Geschäftsentwicklung. Lediglich 24 Prozent der Unternehmensleiter, die das Prüfungs- und Beratungsunternehmen PwC in einer weltweiten Studie befragte, gehen für 2013 von Umsatzsteigerungen aus. Noch ein Jahr zuvor waren das 36 Prozent, 2011 zeigten sich gar 60 Prozent «sehr zuversichtlich».

Die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft sind für die Logistiker von entscheidender Bedeutung. Die magische Schwelle lautet für viele 7,5 Prozent. Sollte der Zuwachs des chinesischen Bruttoinlandsproduktes darunter liegen, fürchtet der Grossteil der Unternehmen laut PwC-Umfrage eine spürbare Beeinträchtigung des eigenen Geschäfts. Immerhin 40 Prozent der Befragten halten dieses Szenario für wahrscheinlich.

Chinas Statistikbehörden gehen zwar nach wie vor davon aus, das 7,5-Prozent-Ziel dieses Jahr zu erreichen. Doch selbst wenn die Punktlandung gelingt, müsste Chinas Wirtschaft damit das geringste Wachstum seit 23 Jahren verkraften.

Dass die Warenausfuhren bald wieder deutlich ansteigen, gilt als unwahrscheinlich. Denn Premierminister Li Keqiang will sein Land unabhängiger von Exporten machen und stattdessen die Binnennachfrage stärken. Die Logistikanbieter bekommen das schon jetzt zu spüren. “China ist definitiv nicht mehr rein exportorientiert”, sagt Edoardo Podestá, der die Geschäfte des Logistikdienstleisters Dachser in China verantwortet. “China ist längst ein Vertriebsmarkt geworden.”

Während das Exportgeschäft schwächelt, bringt die steigende Kaufkraft der 1,2 Milliarden Chinesen für die Vertriebslogistik grosses Potenzial mit sich. Der Nachholbedarf ist allerdings noch erheblich, wie der chinesische Internet-Konzern Alibaba derzeit zu spüren bekommt. Das Unternehmen ist einer der grössten Online-Händler der Welt. Im Reich der Mitte hat der Konzern einen deutlichen Vorsprung vor den US-amerikanischen Konkurrenten Amazon, eBay und Co.

Um diese Position zu verteidigen, steht für den Konzern vor allem eine Massnahme im Vordergrund: die Stärkung der Logistik. Denn Pakete zeitnah an ihr Ziel zu bringen, ist in dem flächenmässig viertgrössten Land der Welt alles andere als einfach. Abseits der grossen Metropolen leidet die Branche nach wie vor an schlechter Infrastruktur. In den kommenden Jahren will Alibaba deshalb 16 Milliarden Euro in den Aufbau eines eigenen Logistiknetzes investieren. Das ambitionierte Ziel: In zehn Jahren sollen Sendungen innerhalb von 24 Stunden ihr Ziel erreichen

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