Auf Kongressen und Messen reden wir kaum mehr mit unseren Konkurrenten», sagt Panalpina-Sprecher Martin Spohn. Der Grund ist Angst: Den Basler Logistikkonzern überschattet nach wie vor Wettbewerbsuntersuchungen wegen Verdachts auf Preisabsprachen, welche im Oktober 2007 gestartet wurden. Das Verfahren, das sowohl von der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) als auch von den EU- und US-Wettbewersbehörden parallel geführt wird, könnte Panalpina wie auch Konkurrentin Kühne + Nagel im schlimmsten Fall 10% ihres Umsatzes der vergangenen drei Jahre kosten. Die Bussen im Ausland könnten sogar noch höher ausfallen.

Die Weko werte gegenwärtig Fragebogen aus und sichte die Beweismittel, die mit den Hausdurchsuchungen sichergestellt worden sind, sagt Weko-Vizedirektorin Carole Söhner-Bührer. «Wir rechnen mit einem Entscheid frühestens im Verlauf des nächsten Jahres.»

Keine Rückstellungen getätigt

Als Grund für die Langwierigkeit der Untersuchung gibt Söhner-Bührer an: «Der Sachverhalt ist komplex und die Auswertung der sichergestellten Beweismittel ist sehr ressourcenintensiv.» Dementsprechend seien auch die ausländischen Wettbewerbsbehörden noch nicht mit Entscheiden an die Öffentlichkeit gelangt. Weder Kühne + Nagel noch Panalpina haben Rückstellungen getätigt, obwohl beide Fehlverhalten in einzelnen Filialen nicht partout ausschliessen wollen.Während die Untersuchung bei Kühne + Nagel in erster Linie ein nicht zu unterschätzendes Ärgernis bedeutet, handelt es sich bei Panalpina um einen von drei Prozessen, die man lieber so bald wie möglich vom Tisch hätte.

Seit Juli 2007 lastet nämlich auch die Untersuchung des US-Justizministeriums wegen allfälligen Zuwiderhandelns gegen das Antikorruptionsgesetz in Nigeria auf Panalpina. Dies hatte nicht nur Einbussen wegen der Schliesssung des Geschäfts in Nigeria zur Folge und könnte in einer hohen Busse münden, sondern es zieht auch hohe Anwaltskosten nach sich.

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Aktionär klagt

Panalpina-CEO Monika Ribar sagte im vergangenen Juli der «Handelszeitung», dass sie befürchte, die Rechtskosten könnten höher als 40 Mio Fr. ausfallen, aber auch, dass sie hoffe, dass es bis Ende Jahr zu einem Abschluss komme. Nun rechne sie laut Spohn damit, dass es durchaus länger dauern könnte. Doch damit nicht genug: Im vergangenen Juli reichte US-Aktionär Deccan Value Advisors Klage ein und machte Schadenersatzforderungen wegen Kursverlusten im Zusammenhang mit dem Nigeria-Fall geltend. «Wir sind der Ansicht, dass das angerufene US-Gericht nicht zuständig ist und dass die Klage in der Sache keine Substanz hat», führt der Panalpina-Sprecher aus.

Ein Gerichtstermin stehe überdies noch nicht fest, auch die Höhe der Schadenersatzforderung sei Panalpina nicht bekannt, so Spohn weiter. Fest steht einzig, so schnell kann Panalpina diese neue Ungewissheit nicht aus der Welt schaffen.