Für seine 30-jährige Geschäftserfahrung und die 54 Lenze auf dem Buckel wirkt Guerrino De Luca immer noch erstaunlich jugendlich. Sein spitzbübisches Lachen, die volle Haarpracht und die energische Mimik legen den Gedanken nah: Hier ist einer trotz langen Arbeitstagen und grosser Verantwortung für über 7000 Angestellte rund um den Globus nicht im Amt gealtert.

Zehn Jahre lang war De Luca für die operativen Geschicke von Logitech verantwortlich. Er hat die Westschweizer Firma mit Zweitsitz in Kalifornien in der Krise übernommen und sie mit wiederkehrenden Innovationen an die Spitze gebracht. Das Kerngeschäft mit Computermäusen haben De Luca und seine Führungsmannschaft erfolgreich mit digitalem Zubehör angereichert: mit Spielkonsolen, Videokameras, Musikboxen, Internet-Audiogeräten und anderem mehr. Unter seiner Führung vervielfachte sich der Umsatz von 400 Millionen auf über 2 Milliarden Dollar. Nächstes Ziel ist die Drei-Milliarden-Hürde. Der Gewinn explodierte in dieser Zeitspanne von 15 auf 230 Millionen Dollar.

Dank De Lucas Parforceritt ist aus einer kleinen Schweizer Computerfirma eine Innovationsmaschine mit Produktionsstätten in Taiwan und China geworden. Im letzten Geschäftsjahr verschiffte Logitech Tag für Tag 400 000 Produkte. Im Akkord wurden 130 Neuheiten auf den Markt geworfen.

Masse, Tempo und Innovation in klar definierten Märkten sind das Erfolgsrezept des einstigen Apple-Managers. Der legendäre Steve Jobs machte De Luca zu seinem Marketingverantwortlichen. Doch der gebürtige Italiener mit Ingenieurabschluss der Universität Rom zog es vor, sein eigener Herr zu werden. «Ich wollte eine kleinere Firma führen, statt bei einem Multi Chef einer Sparte zu sein», sagte er 2005. «Mich reizte es, auf der ganzen Klaviatur – Entwicklung, Produktion, Finanzen, Verkauf, Marketing – zu spielen.»

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Vor De Luca hatte die Logitech-Aktie lange enttäuscht: die Gewinne volatil, Diversifikationen gescheitert, Margen geschrumpft. Schliesslich beschloss Mitbegründer Daniel Borel 1997 den Ausstieg aus dem Scannergeschäft, das die Abhängigkeit von den PC-Mäusen hätte reduzieren sollen, verpflichtete De Luca als CEO und zog sich aufs Präsidium zurück. Dem Westschweizer bleibt das Verdienst, die Weichen für eine prosperierende Zukunft gestellt zu haben. Er hatte frühzeitig grosse Teile der Mausproduktion in den Fernen Osten verschoben und die Strategie vorgegeben, den Zulieferer für PC-Hersteller in eine eigene Retail-Marke zu verwandeln.

Zum Erfolg gebracht hat dies aber erst De Luca. In seinem ersten Geschäftsjahr, als der Gewinn einbrach und er seinen Mitarbeitern den Bonus streichen musste, prophezeite der neue CEO eine Zukunft, an die damals kaum jemand glaubte. «Diese Gesellschaft hat das Potenzial, die Welt der Interfaces so klar zu beherrschen wie Intel diejenige der Mikroprozessoren und Microsoft jene der Software», sagte De Luca. Wenige Wochen später schoss der Logitech-Aktienkurs von 3 auf 15 Franken.

Seither hält De Luca, was er verspricht, steigert den Umsatz zweistellig und den Gewinn überproportional. Dank seinem Dauererfolg verzeihen ihm die Aktionäre sogar gravierende Ausrutscher. So letzten Herbst, als De Luca einen Verlust von fast 70 Millionen Dollar wegen Spekulationen mit amerikanischen Subprime-Hypothekenpapieren beichten musste. Dem Höhenflug der Logitech-Papiere konnte der Taucher nichts anhaben. «So etwas wird es nicht mehr geben», vespricht De Luca im Gespräch mit BILANZ.

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Anfang Jahr übergab er das operative Steuer seinem Verkaufschef Jerry Quindlen und löste Firmengründer Borel, der als Mitglied an Bord bleibt, als Präsident des Verwaltungsrats ab. «Ich unterstütze Jerry, wo ich kann, damit er Logitechs bester CEO wird», sagt De Luca. Thomas Germann von der ZKB ist optimistisch: «De Lucas Wechsel ins Präsidium verspricht Konstanz in der erfolgreichen strategischen Ausrichtung».