So hatten sich die Gewerkschaften den Lohnherbst wohl nicht vorgestellt. Ihre Verhandlungsposition wird täglich schwächer. Schweizer Firmen streichen reihenweise Stellen. Die UBS baut 2500 Jobs ab, Swisscom und Lonza je 400, die Credit ­Suisse 300. Insgesamt gaben rund 20 Unternehmen im Oktober und November den Abbau von über 5000 Arbeitsplätzen in der Schweiz bekannt. In so einem Klima bleibt kaum Platz für Lohnerhöhungen.

Zusammen mit den Angestelltenverbänden fordern die Gewerkschaften für 2013 generell eine Anhebung der Saläre von 1,5 bis 2,5 Prozent. Zudem verlangen sie Aufbesserungen für Frauen und um 100 bis 200 Franken höhere Mindestlöhne. «Das Spektrum der Lohnabschlüsse wird breit sein. Wir werden auch Nullrunden sehen», dämpft Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt die Erwartungen.

Das entspricht den Absichten der Unternehmen, wie eine bislang nicht veröffentlichte Umfrage des Lausanner Studienzentrums für Wirtschaftsfragen Cepec zeigt. Die befragten Firmen wollen die Saläre für 2013 um durchschnittlich knapp 1,1 Prozent erhöhen. Die Spannbreite der Angaben reicht dabei von null bis 2,75 Prozent. An der Umfrage beteiligten sich rund 120 Firmen mit über 326000 Beschäftigten. Damit liegen die Salärerwartungen leicht höher als bei der kürzlich veröffentlichten Lohnumfrage der UBS bei Unternehmen und Verbänden. Dort resultierte ein durchschnittlicher Anstieg der Nominallöhne von 0,8 Prozent für 2013.

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Mit 1,6 Prozent plant die Pharma- und Chemiebranche gemäss Cepec die stärksten Erhöhungen, gefolgt von Telekommunikation, Handel und Versicherungen. Nahrungsmittelindustrie und öffentliche Verwaltung bleiben mit durchschnittlich 0,75 Prozent am unteren Ende der Skala.

Wegen der rückläufigen Teuerung stiegen die Reallöhne 2012 mit etwa 1,7 Prozent stärker als erwartet. Gemäss Prognosen wird sich das 2013 nicht wiederholen. Die leicht anziehende Teuerung dürfte den Reallohnanstieg auf etwa ein halbes Prozent reduzieren.