Wer den Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur abschreitet, wähnt sich in einer heimatlichen Umgebung. Schweizerdeutsch ist die dominante Sprache. Eine Mehrheit von 70% der zurzeit 1500 Studierenden an der HTW Chur stammt aus dem Raum Graubünden und Südostschweiz. Weitere 20% verteilen sich auf die restliche Deutschschweiz, lediglich 10% haben einen ausländischen Pass.

Für Rektor Jürg Kessler ist diese Dominanz von einheimischen Studierenden nicht verwunderlich, sondern entspricht der Ausrichtung der Schule. Die regionale Verankerung der HTW Chur ist stark ausgeprägt. «Wir pflegen einen sehr engen Kontakt mit dem Kanton und den Unternehmen in Graubünden», sagt Kessler. Das schlägt sich in Zahlen nieder: 57% des Umsatzes aus Forschungsprojekten und sogar deren 74% aus Dienstleistungsprojekten generiert die HTW Chur im Kanton Graubünden. Entsprechend stark beteiligt er sich an der Finanzierung des Instituts - er übernimmt einen Drittel des Budgets.

Firmen kommen so in die Region

«Ohne die Initialunterstützung könnten wir die restlichen zwei Drittel gar nicht realisieren», unterstreicht Kessler die hohe Bedeutung der kantonalen Subventionen, die natürlich nicht ohne eigene Interessen erfolgen. Die HTW Chur wirkt wie ein Magnet, das zahlreiche Firmen ins Bündnerland zieht. Sie bringen dem Kanton neue Steuereinnahmen und schaffen wertvolle Arbeitsplätze, die nicht selten von Abgängern besetzt werden. «Mit unseren attraktiven Studien- und Forschungsangeboten möchten wir hochqualifizierte Arbeitskräfte in die Region locken», ergänzt der Rektor.

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Der hohe regionale Bezug der HTW Chur manifestiert sich auch in den Bildungsschwerpunkten. Einer von drei Kernbereichen umfasst die Themen Tourismus, Bau und Regionalentwicklung. «Hier geht es insbesondere um die wirtschaftliche und gestalterische Entwicklung alpiner Räume», beschreibt Jürg Kessler. Die Zusammenarbeit mit dem Bündner Amt für Wirtschaft und Tourismus ist entsprechend intensiv. Aber auch der internationale Bezug kommt nicht zu kurz. Das Institut für Tourismus- und Freizeitforschung der HTW Chur hat bislang Projekte in 17 Nationen begleitet und umgesetzt, obschon es erst 2003 gegründet wurde. Der Lehrgang Tourismus-Bachelor wird entsprechend auch in Englisch angeboten.

Mitglied eines Uno-Programms

Neben dem Schwerpunkt Tourismus, Bau und Regionalentwicklung will die HTW Chur in zwei weiteren Themenbereichen eine führende Stellung einnehmen. Etwa in der Sparte Entrepreneurial Management (EM), wo die Schule international vernetzt ist. Als erste Hochschule der Schweiz ist sie Mitglied im Uno-Programm Principles of Responsable Management Education (PRME). Im EM sind auch Themen wie Internationalisierung von KMU oder Gemeindefusionen integriert. Zurzeit im Aufbau befindet sich ein Bildungsprogramm zum Thema Social Entrepreneurial Management.

Die Institution pflegt Kooperationen mit rund 50 universitären Hochschulen in Europa, den USA und weiteren Staaten. Im Rahmen des europäischen Erasmus-Programms werden zudem Studierende und Dozenten ausgetauscht. Es werden aber auch Doppelabschlüsse angeboten. Die Sparte Medien, Information und Kommunikation ist denn auch die dritte Kernkompetenz der HTW Chur. Als einzige Schweizer Institution bietet sie eine Medienausbildung auf Fachhochschulniveau an. Hohe Investitionen tätigt die Schule auch für Forschungszwecke in den Bereichen Kommunikationstechnologie und Informationswissenschaft. «Wir sind in der multimedialen Langzeitarchivierung landesweit führend», sagt Jürg Kessler.

Das hat sich herumgesprochen. Seit 2005 hat sich die Studentenzahl an der HTW Chur verdoppelt. Trotz dieses Wachstums und des vielfältigen Angebots soll der operative Alltag überschaubar bleiben. Darauf legt der Rektor viel Wert. «Wir wollen eine familiäre Hochschule sein und pflegen den persönlichen Kontakt zwischen Dozierenden und Studierenden.» Dies sei ein Mehrwert, den man gegenüber akademischen Institutionen in Grossstädten biete.

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Der direkte Draht zu den Dozierenden ist auch in der Weiterbildung beliebt. «Die Hochschulweiterbildung ist für uns ein sehr wichtiges Standbein», betont Kessler. Entsprechend wird ein Angebot offeriert, das es so nicht überall gibt. Mit der höheren Kaderausbildung der Armee kommen Generalstabsabsolventen in den Genuss eines speziellen Programms. «Sie können bei uns verkürzt und vergünstigt einen Executive MBA absolvieren», erläutert Jürg Kessler.