Das Londoner Startup Dalcor Pharmaceuticals setzt 150 Millionen Dollar auf einen Rohrkrepierer von Roche. Die Jungunternehmer haben sich zum Ziel gesetzt, dem Cholesterinmittel Dalcetrapib zum Durchbruch zu verhelfen. Roche hat das Unterfangen vor vier Jahren aufgegeben.

50 Millionen Dollar hat das Jungunternehmen in einer ersten Finanzierungsrunde Ende 2015 erhalten, weitere 100 Millionen sind in dieser Woche dazugekommen, wie die Firma in einem Communiqué schreibt. Das Geld soll in eine Phase-III-Studie mit 5000 Personen gesteckt werden.

Geplatzte Träume am Rhein

Dalcetrapib galt einst als Milliardenhoffnung in Basel. Am Rhein träumte man von einem Umsatz von über 10 Milliarden Dollar. Das Medikament hätte in der Liga der grössten Herzmittel mitspielen sollen. Millionen wurden in die Erforschung des Präparats investiert, bis dann klar war: Dalcetrapib funktioniert nicht. Ein unabhängiges Gremium war nach der Auswertung von Tests an 15'600 Personen zu diesem Schluss gekommen.

Roche stellte die Entwicklung des Medikamentes ein. Als Folge trennten sich die Anleger in Scharen von ihren Genussscheinen, der Pharmagigant verlor innert zwei Tagen fast 7 Milliarden Dollar an Börsenwert. Über 240 Millionen Dollar mussten abgeschrieben werden.

Millionenfiasko bei Pfizer

Das «Wall Street Journal» bezeichnete die Episode als «einen der grössten Flops in der Pharma-Geschichte». Denn die Basler waren nicht die einzigen, die sich am Mittel die Finger verbrannt haben. Der US-Pharmariese Pfizer war 2006 mit dem ähnlichen Mittel Torcetrapib gescheitert. Eine gross angelegte Studie zeigte damals: der vermeintliche Hoffnungsträger hat die Sterberate sogar erhöht, statt sie zu senken. Pfizer brach die Entwicklung des Medikamentes sofort ab.

Für die Entwicklung von Torcetrapib hatte Pfizer rund 800 Millionen Dollar aufgewendet. Das verheerende Resultat hat den Börsenwert über Nacht um 21 Milliarden Dollar einbrechen lassen. Zehntausend Jobs wurden in der Folge gestrichen. Dutzende Fachartikel in der Management- und Medizinliteratur haben sich dem Mega-Flop gewidmet. 

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Zuversicht an der Themse

Die Londoner glauben aber an den Erfolg von Dalcetrapib. Denn die Studie, die dem Medikament vor vier Jahren keine Wirksamkeit attestiert hatte, zeigt bei genauerem Hinsehen etwas anderes: eine «genetisch spezifische Patientenpopulation» reagiert positiv auf das Mittel. Dalcetrapib habe in dieser Gruppe eine signifikante 39-prozentige Reduktion von «kardiovaskulären Ereignissen» gezeigt, schreibt die Firma. Für die künftige Studie wollen sich die Forscher von Dalcor Pharamceuticals jetzt nur auf Personen mit diesem Genotyp konzentrieren.

CEO Robert McNeil gibt sich entschlossen. Er glaube an den lang erwarteten Nutzen des Medikaments. Kein Wunder: McNeil ist nicht nur CEO, sondern auch Risikokapitalfirma der ersten Stunde. Sein eigenes Geld steht auf dem Spiel.