Symbolischer Spatenstich bei der Rhaetischen Bahn RhB zum Ausbau des Bahnhofs Landquart, am Freitag, 29. Juni 2018, in Landquart. Mit einer Bauzeit von sieben bis zehn Jahren und einem Investitionsvolumen von zirka 500 Millionen Franken ist es das groesste aktuelle Projekt der RhB. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Diese Firmen sind vier der besten Arbeitgeber der Schweiz 2020

Von Susanne Wagner, Pirmin Schilliger und Isabel Steinhoff
am 26.02.2020

Die Rhätische Bahn Bahn ist vielen bekannt durch ihre roten Züge und malerischen Strecken. Mancher Arbeitnehmer schafft dort von der Lehre bis zur Pension.

 

Quelle: Keystone

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Was haben die Rhätische Bahn, Mobiliar, Verkehrsbetriebe Luzern und Cisco gemeinsam? Sie zählen zu den Top 10 der Schweizer Arbeitgeber.

Lokführer Martin Mutzner schaut konzentriert auf das Gleis und die Signale vor ihm und steuert den Interregio 1149 Richtung Thusis mit ruhiger Hand. Die Strecke durch verschneite Landschaften mit Blick auf Schlösser und Dörfer im Domleschg ist traumhaft schön. Nach Ankunft in St. Moritz wird er seinen Dienst auf einer anderen Lok mit touristischen Höhepunkten fortsetzen.

Atemberaubende Landschaften gehören zu seinem Arbeitsalltag. Einige Teile des 384 Kilometer langen Streckennetzes der RhB gehören zum Unesco-Welterbe. «Es wird bei der Einteilung sehr darauf geschaut, dass die Routen abwechslungsreich sind», sagt der erfahrene Lokführer, der mit verschiedenen Lokomotivtypen seine Personen- wie auch Güterzüge sicher ans Ziel bringt.

Die 1500 Mitarbeitenden der Rhätischen Bahn arbeiten dort, wo andere Ferien machen. Die Rhätische Bahn (RhB) ist nicht nur eine der bedeutendsten Arbeitgeberinnen in Graubünden, sondern auch das grösste Tourismusunternehmen. Mit ihrem Leistungsausweis hat sie hervorragend abgeschnitten: Platz 1 unter den 250 besten Arbeitgebern der Schweiz, im Ranking von Handelszeitung und Le Temps in Zusammenarbeit mit Statista.

«Die Rhätische Bahn verfügt über ein emotionales und gut verankertes Produkt, mit dem sich die Menschen identifizieren können. Darum ist das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden zur RhB hoch», erklärt Renato Fasciati, CEO der Rhätischen Bahn.

Dies stärke das Verantwortungsgefühl jedes Einzelnen, der sich als Teil des Ganzen sehe. «Wenn unsere Mitarbeitenden erzählen, wo sie arbeiten, erhalten sie oft positive Rückmeldungen, weil unsere Bahn so bekannt ist. Das wirkt motivierend», so der RhB-Direktor.

Durchschnittlich 33 Dienstjahre

Seit zwei Jahren lässt die RhB zwischen Davos Platz und Filisur viermal täglich anstelle eines normalen Zuges eine historische Zugskomposition fahren – was bei den Gästen auf grosses Interesse stösst. Bei manchen Angestellten ist die Identifikation so hoch, dass sie der RhB ihr Arbeitsleben lang treu bleiben.

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Es gab schon Mitarbeitende, die von der Lehre bis zur Pensionierung blieben – kürzlich trat ein Mitarbeiter nach 49 Dienstjahren in den Ruhestand. Das durchschnittliche Dienstalter bei der Pensionierung liegt bei 33 Jahren. Aktuell weist die gesamte Belegschaft ein durchschnittliches Dienstalter von knapp über 15 Jahren auf. Die Mitarbeitenden sind im Schnitt 46 Jahre alt.

Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, möchte die RhB die Altersstruktur verjüngen und den für ein Bahnunternehmen typischen Frauenanteil von 17 Prozent erhöhen. Dies soll unter anderem mit neuen Arbeitsmodellen gelingen, wie HR-Leiter Andreas Bass festhält: «Stellen werden konsequent mit 80 bis 100 Prozent ausgeschrieben, wir fördern Teilzeitarbeit und es gibt auch Jobsharing-Modelle.»

 

Die Massnahmen sind erforderlich: Die Rhätische Bahn befindet sich in einer Erneuerungs- und Modernisierungsphase mit Millioneninvestitionen in Infrastruktur und Rollmaterial. Seit vier Jahren nimmt die Nachfrage nach den Produkten der RhB zu; die Bahn ist stärker gewachsen als der gesamte öffentliche Verkehr in der Schweiz. Zudem ist das Unternehmen auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen, auch angesichts des bevorstehenden demografischen Wandels.

Wichtige Unternehmenswerte

Vom Lokführer, Sattler und Lackierer über den Businessanalysten bis zum Multimediaspezialisten oder zur Grafikdesignerin beschäftigt die RhB 1500 Mitarbeitende in 190 verschiedenen Funktionen. Gar nicht so einfach, immer die passenden Fachkräfte zu finden, die zum Unternehmen passen. Zumal der Standort Oberengadin trotz landschaftlicher Attraktivität auch Nachteile hat: Der Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet, die Lebenshaltungskosten sind aufgrund der teuren Wohnungspreise höher als anderswo. «Im Oberengadin müssen wir grössere Anstrengungen unternehmen, um qualifizierte Mitarbeitende zu bekommen», so Andreas Bass.

Zu den wichtigsten Grundsätzen, um die Mitarbeitenden zu halten, gehören die Werte «begeistere, lerne, handle». Man motiviere die Mitarbeitenden am einfachsten, einen guten Job zu machen, indem man ihnen Wertschätzung entgegenbringe, ihnen Verantwortung gebe und die Möglichkeit einräume, sich einzubringen und zu entwickeln, so HR-Leiter Bass.

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Zum Beispiel beim Einbringen von eigenen Ideen – gemäss Renato Fasciati ein Schlüsselwerkzeug: «In den letzten 18 Monaten bekamen wir 400 Vorschläge. Davon konnten wir zwei Drittel teilweise oder ganz umsetzen.»

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Es sei ein Riesenmotivator und ein wichtiger Faktor, wenn man auf den eigenen Arbeitsbereich Einfluss nehmen kann. Horizonterweiternd wirken auch die Programme, in denen Führungskräfte einen halben Tag in einem anderen Bereich schnuppern können: Ein Zugbegleiter besucht die Werkstatt und ein Lokführer schaut bei der Leitstelle herein.

Für Chefs ist dieses Programm vorgegeben, für die übrigen Mitarbeitenden fakultativ. Dies nahm sich ein Lokführer zu Herzen, der sich anmeldete, um dem Direktor über die Schultern zu schauen: Er begleitete seinen obersten Chef an die GL-Sitzungen und zu allen Aufgaben, die an diesem halben Tag anstanden.

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