Helvetia Schweiz Superwoman

Jetzt erst recht! Warum die Schweiz für die Corona-Krise gut gewappnet ist

Von Bastian Heiniger und Florence Vuichard
am 11.06.2020

Helvetia schlägt zurück: Die Schweiz hat, was es jetzt braucht – einen guten Branchenmix, einen gewichtigen Pharmasektor, eine tiefe Staatsverschuldung, ein gutes Auffangnetz sowie kurze Wege zwischen Wirtschaft und Politik.

Quelle: Shutterstock

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Geht nun alles bachab? Von wegen. Die Schweiz ist so gut aufgestellt wie kaum ein anderes Land.

Gebannt haben weltweit Investoren auf Warren Buffett geschaut. Seine Holding Berkshire Hathaway sitzt auf einem Geldberg von 130 Milliarden US-Dollar. Und kein anderer lebt die von Buffett geprägte Börsenweisheit «Sei furchtsam, wenn ­andere gierig sind. Und sei gierig, wenn andere sich fürchten» so sehr wie er selbst.

In der Finanzkrise investierte er etwa in Goldman Sachs, Bank of America und Swiss Re und gewann damit Milliarden. Und was kauft er nun? Nichts. Er stiess ­sogar sämtliche Airline-Beteiligungen ab. «In den Jahren 2008 und 2009 ist unser wirtschaftlicher Zug aus den Gleisen geraten. Dieses Mal haben wir den Zug einfach von den Gleisen genommen und auf ein ­Abstellgleis gestellt», sagte er jüngst an der begehrten Berkshire-Jahrestagung, die heuer nur im Livestream stattfand. Die Folgen von Corona hemmen selbst den erfolgreichsten Investor der Welt.

Prognosen verheissen nichts Gutes

Das verheisst nichts Gutes für die Wirtschaft, jetzt, da der gesundheitliche Albtraum allmählich überwunden scheint. Jedenfalls in der Schweiz. Reiserestriktionen, leere Auftragsbücher, unterbrochene ­Lieferketten, Kurzarbeit, drohende Insolvenzen und die Angst vor einer zweiten, für die Wirtschaft fatalen Welle wirken lähmend.

Prognosen zeichnen ein Bild, als stünde die Schweiz vor dem wirt­schaftlichen Armageddon: Die Konjunktur­auguren warnen vor einem Einbruch ­historischen Ausmasses, manche ziehen Vergleiche zur Grossen Depression der 1930er Jahre, und an allen Fronten überbieten sich Experten im maliziösen ­Wettbewerb: Wer malt den grösseren ­Teufel an die Wand?

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Start zur Aufholjagd

Doch erstens haben in der Corona-Krise Erhebungen eine noch kürzere Halbwertszeit als sonst schon und Prognosen die Note von Sportwetten.

Zweitens lassen sich historische Ereignisse kaum vergleichen, da sie sich aus einer Vielzahl von einmaligen Faktoren bilden, die sich so niemals wiederholen.

Und drittens ist der tiefschwarze Pessimismus gar nicht an­gezeigt. Zumindest nicht aus Schweizer Sicht. Ein grosser Pharma­sektor, ein reicher Branchenmix, ein gesunder Staatshaushalt, ein solides Sozialversicherungsnetz und sehr kurze Wege zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sorgen dafür, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen Staaten die Corona­-Rezession relativ unbeschadet überstehen dürfte. Ja, vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgehen könnte.

Womöglich schafft sie es sogar wieder aufs oberste Podest des vom Weltwirtschaftsforum (WEF) herausgegebenen Global Competitiveness Report, von wo sie in den letzten Jahren von Singapur, den USA, Hongkong und den Niederlanden verdrängt wurde, unter anderem weil es hierzulande schwieriger als anderswo geworden ist, ein Unternehmen zu gründen.

Die 100 (Erfolg-)Reichsten unter 40 Jahren

Schweizer Start-ups zählen zur absoluten Weltspitze – und mancher Gründer wurde reich. BILANZ präsentiert zum sechsten Mal die jungen Reichsten. Mehr dazu hier.

«Kann die Schweiz wichtige Themen wie Unternehmensregulierung, Marktzugang oder Zugang zu Talenten mit der gleichen Agilität anpacken und umsetzen wie die Liquiditätskredite, dann stellt die Krise für unseren Wirtschaftsstandort eine Chance dar, bald wieder an der Spitze zu stehen», sagt Simone Wyss Fedele, Chefin der Export- und Standortförderagentur Switzerland Global Enterprise (S-GE).