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Wissenschaft
Longchamp muss den SRG-Thron teilen

Claude Longchamp: Bedrängt von Michael Hermann. Keystone

Claude Longchamp und sein Forschungsinstitut behalten das SRG-Mandat für Trendumfragen im Vorfeld von Abstimmungen. Vor Wahlen wird aber Michael Hermann die Meinung der Bevölkerung einholen.

Veröffentlicht am 12.05.2016

Die SRG betraut zwei Forschungsinstitute mit dem Auftrag, Trendumfragen und Hochrechnungen zu eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen zu machen. Für Trendumfragen vor Abstimmungen und Hochrechnungen am Abstimmungssonntag wird die Zusammenarbeit mit Claude Longchamp und seinem Institut GfS Bern fortgesetzt. Dies gab die SRG bekannt.

Für Trendumfragen vor Wahlen geht die SRG aber mit Michael Hermann und seinem Institut Sotomo Zürich eine Kooperation ein. Damit erhält Longchamp erstmals Konkurrenz, denn in den vergangenen Jahren wanderten die Aufträge alleine an sein Forschungsinstitut.

Wettkampf unter 18 Instituten

Die SRG hatte 18 Forschungsinstitute in der Schweiz eingeladen, sich für die Durchführung der Umfragen zu bewerben. Ein sorgfältiges Evaluationsverfahren unter Einbezug externer Fachleute haben ergeben, dass Longchamp und Hermann die Anforderungen punkto Qualität und Preis insgesamt am besten erfüllt hätten, heisst es in der Mitteilung.

Die SRG publiziert seit 1998 regelmässig Trendbefragungen im Vorfeld von Abstimmungen und Wahlen sowie Hochrechnungen am Abstimmungstag. Die Befragungen zu den Abstimmungen vom 5. Juni 2016 nimmt im bisherigen Rahmen das Institut von Claude Longchamp vor.

Wechsel auch bei VOX-Analysen

Erst kürzlich hatte die Bundeskanzlei einen Wechsel bei der Durchführung der Abstimmungsanalysen verkündet. Diese werden künftig nicht mehr von der Forschungsgemeinschaft VOX-Analysen gemacht. Auftragnehmerin für die nächsten vier Jahre ist die Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften FORS. Diese wird die wissenschaftlichen Nachbefragungen und Analysen mit dem Zentrum für Demokratie Aarau und dem Befragungsinstitut LINK durchführen. Die erste Analyse wird das neue Team voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2016 vorlegen.

Bisher erhob das Forschungsinstitut GfS Bern die Daten für die VOX-Analysen, welche im Turnus von den politikwissenschaftlichen Instituten der Universitäten Zürich, Bern und Genf ausgewertet und interpretiert wurden.

Kontroverse um Umfragen

Mit den systematischen und repräsentativen Nachbefragungen und Analysen informiert sich der Bundesrat über die in der öffentlichen Diskussion vorgebrachten Meinungen und über die Gründe einer Stimmabgabe.

Um die VOX-Analyse ist nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative ein Streit entbrannt. Politologen zweifelten an der angeblich ausserordentlich tiefen Stimmbeteiligung der jungen Generation. Die drei politikwissenschaftlichen Institute nahmen die Affäre zum Anlass, künftig eine neue Methodik anzuwenden. Auch die SRG-Trendumfragen bieten regelmässig Anlass für Kontroversen.

(sda/ise/chb)

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