Ein Krebsgang ohne Ende – so präsentiert sich die Performance der Spezialitätenchemie. Offenbar ist der strategischen Sackgasse – rekordhohe Rohstoffpreise und Billigkonkurrenz aus Fernost – nicht zu entkommen, solange die Restrukturierung bloss auf operative Effizienz abzielt. Ein vergleichbares Debakel droht auch der Pharmaindustrie, wo im Gefolge von Patentabläufen bis 2012 weltweit Umsätze von über 100 Mrd Fr. wegbrechen.

Starkes Ebit-Wachstum

Ausgerechnet in diesen beiden Problembranchen ist der Spezialitätenchemie- und Biotechnologiekonzern Lonza beheimatet. Doch statt zwischen Stuhl und Bank zu fallen, profiliert sich das Basler Unternehmen mit Walliser Wurzeln seit zwei Jahren als Überflieger: Lonza stellt für die nächsten fünf Jahre ein jährliches Ebit-Wachstum von 15 bis 19% in Aussicht.

Hintergrund des rasanten Wachstums bildet die erfolgreiche Neupositionierung als Life-Sciences-Unternehmen. «Inzwischen entfallen bloss noch 10% unseres Umsatzes auf herkömmliche Chemie, den Rest erzielen wir im Life- Sciences-Bereich», betont Lonza-Sprecher Dominik Werner. Damit sind Produkte gemeint, die direkt im oder am menschlichen Körper eingesetzt werden, also Kosmetikinhaltsstoffe, Nahrungsmittelzusätze und insbesondere pharmazeutische Substanzen.

Anzeige

Erdöl kein zentraler Rohstoff

Dank dieser Fokussierung ist Lonza heute weitgehend immun gegenüber den Kalamitäten der Spezialitätenbranche. Denn einerseits ist Erdöl für Lonza kein zentraler Rohstoff mehr. Anderseits tummeln sich auf dem Life-Sciences-Markt keine Billiganbieter, sodass höhere Rohstoffkosten auf die Kundschaft überwälzt werden können. Werner: «Der Markteintritt ist für asiatische Tiefpreis-Firmen sehr aufwendig, weil die Produktionsanlagen unter anderem die Standards der amerikanischen Food and Drug Administration erfüllen müssen.» Schutz vor unliebsamer Konkurrenz bieten ferner Patente.

Die Biotech-Produktion im Auftrag der Pharmaindustrie hat Lonza zur Division Exclusive Synthesis & Biopharmaceuticals zusammengefasst. Sie wuchs 2007 um 29% und steuerte mit 1,4 Mrd Fr. knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zwar machen Biotech-Medikamente weltweit erst 5% am Pharmamarkt aus, doch liegt ihr jährliches Marktwachstum mit 18% deutlich höher als dasjenige der herkömmlichen Arzneimittel. Hunderte biopharmazeutischer Wirkstoffe sind zurzeit in Entwicklung – oft bei kleinen Biotech-Startups, denen die Mittel für eigene Produktionskapazitäten fehlen. «Solchen Firmen können wir schon in den frühen Forschungsphasen eine Zusammenarbeit anbieten», betont Werner.

Daneben gehören auch die grossen Biotech-Konzerne wie Genentech/Roche und BMS zur Kundschaft. Hingegen gibt es laut Werner kaum Berührungspunkte mit den Generikaherstellern.