Gleich zwei Milliardenkäufe an einem Tag: Nach Nestlé hat auch Lonza einen Zukauf angekündigt: Der Schweizer Lifescience-Konzern (Aktienkurs Lonza) übernimmt die US-amerikanische Arch Chemicals. Beide Unternehmen unterzeichneten ein Abkommen, um ein Übernahmeangebot für 100 Prozent der ausstehenden Arch-Chemicals-Aktien zu einem Preis von 47,20 Dollar pro Stammaktie einzuleiten.

Damit wird Lonza in diesem Bereich zum weltweiten Marktführer, wie der Konzern am Montag mitteilte. Lonza rechnet damit, dass die Akquisition im laufenden Jahr abgeschlossen wird.

Das Übernahmeangebot entspricht gemäss Lonza einer Prämie von 36,7 Prozent auf den durchschnittlichen Schlusskurs der Arch-Chemicals-Aktie der vergangenen 30 Tage. Die Übernahme werde komplett fremdfinanziert. Der Verwaltungsrat von Arch stimmt dem Kauf zu.

Mit Bioziden zur Bekämpfung von schädlichen Mikroben erwirtschaftete Arch im vergangenen Jahr 1,2 Mrd. seiner insgesamt 1,4 Mrd. Dollar Umsatz. Die kombinierten Erlöse der beiden Unternehmen in diesem Markt belaufen sich auf 1,6 Mrd. Dollar, wie Lonza-Geschäftsführer Stefan Borgas an einer Telefonkonferenz am Montag erläuterte. Das Volumen des gesamten Marktes bezifferte er auf 10 Mrd. Dollar. Lonza beabsichtigt den Verkauf des Nicht-Kerngeschäfts von Arch.

Stellenabbau im administrativen Bereich

Mit der Übernahme erweitere Lonza sein Portfolio, so Borgas. Das Geschäft mit Bioziden werde neben der pharmazeutischen Auftragsherstellung zu einem zweiten Standbein. «Wir verringern damit unsere Abhängigkeit von einem einzelnen Geschäftszweig.»

Borgas erwartet, dass die Übernahme mittelfristig Kosteneinsparungen von jährlich 50 Mio. Dollar bringen wird. Kostensynergien würden vor allem im administrativen Bereich erzielt. Dabei würden auch Stellen abgebaut, sagte Borgas, ohne allerdings Zahlen zu nennen.
Zudem erwartet Lonza bis zum dritten Jahr nach der Übernahme einen Umsatzzuwachs von 40 Mio. Dollar. Allerdings fallen in den ersten beiden Jahren auch Kosten für die Integration von Arch an, welche Lonza auf 85 Mio. Dollar beziffert.

Die Aktivitäten von Lonza und Arch Chemicals ergänzten sich ideal, sagte Stefan Borgas. Zwischen den beiden Unternehmen bestünde seit 20 Jahren eine Zusammenarbeit, die sich in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiviert habe. Die Übernahme sei aber durch den starken Franken erleichtert worden, sagte Borgas.

Der hohe Kurs des Frankens habe Lonza in den letzten Monaten vor Herausforderungen gestellt, erklärte Borgas. Mit der Übernahme sollen die Auswirkungen derartiger Probleme künftig verringert werden, da dank den zusätzlichen Standorten im Ausland ein höherer Anteil der Kosten in anderen Währungen anfallen wird.

Kaum Reaktion an der Börse

Arch Chemicals hat seinen Sitz in Norfolk (Connecticut). An 23 Produktions- und Forschungsstandorten beschäftigt das Unternehmen weltweit 3000 Angestellte.

Der Aktienkurs von Lonza reagierte auf die Bekanntgabe der Übernahme nur leicht. Bei Handelsbeginn sank er zwar um 1,1 Prozent. Im Lauf des Morgens stieg der Wert der Lonza-Aktien aber wieder. Am Mittag pendelte sich der Aktienkurs wieder auf dem Niveau vom Freitagabend ein, derweil der Leitindex SMI 0,7 Prozent tiefer notierte.

(cms/tno/rcv/awp/sda)