Objekt der Begierde: Boeings neuer Jet. Mitarbeiter, zur Premiere am Produktionsstandort Everett bei Seattle im US-Bundesstaat Washington eingeladen, drängen sich um das neue Flugzeug. Tosender Jubel brandet auf, als sich die Werkstore der Fabrik in Everett öffnen. Erstmals gibt der US-Luftfahrtkonzern Boeing den Blick auf den komplett montierten neuen Langstreckenjet 787 frei. Etwa 15000 Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden springen von ihren Sitzen auf. Sie klatschten, johlen und fotografieren, was ihre Digitalkameras hergeben.

In strahlendem Weiss und hellem Blau lackiert steht die Maschine dort. «Eine Revolution», sagt Boeing-Chef James McNerney – und meint damit das künftige Reiseerlebnis in dem neuen Flugzeug. Erstmals seit 13 Jahren präsentiert Boeing nach der 777 wieder eine neue Flugzeuggeneration. In der 787 werden je nach Variante 210 bis 330 Passagiere Platz haben. Pro Fluggast soll die Maschine wegen ihrer Leichtbauweise und effizienter Triebwerke 20% weniger Sprit verbrauchen.
In der Boeing-Werkshalle in Everett werden die Flugzeuge fer-
tig montiert. Erstmals in seiner Geschichte lässt der US-Konzern dessen Hauptteile in allen Teilen der Welt von Zulieferern produzieren.

Air Berlin als Grosskäufer

Unter den Gästen der Zeremonie ist Joachim Hunold, Chef der Fluggesellschaft Air Berlin. Er strahlt, als die Weltpremiere des Flugzeugs zu den Klängen einer eigens komponierten Hymne zu Ende geht. «Wir haben die richtige Entscheidung getroffen», sagt er zu seinem Finanzchef Ulf Hüttemeyer und schüttelt ihm die Hand.
Seit November 2006 verhandelten die beiden deutschen Manager mit Boeing. Kurz vor der «Dreamliner»-Premiere hat Hunold die Bestellung von über 25 Maschinen zum Listenpreis von knapp drei Mrd Dollar bekannt gegeben. Allerdings bekommt seine Airline einen Rabatt, dessen Höhe nicht bekannt gegeben wird. Air Berlin will den Kauf zum Teil über Kredite finanzieren. Auch das Leasen der Flugzeuge ist laut dem Unternehmen möglich.
Bevor die erste 787 abhebt, werden aber noch viele Arbeitsstunden nötig sein. Ende August oder Anfang September soll der Jungfernflug stattfinden. «Ein ehrgeiziges Ziel», sagt ein beteiligter Ingenieur. Doch die Vorgabe sei zu schaffen, obwohl die Bordelektronik noch nicht eingebaut sei und 1000 Befestigungsklammern ausgetauscht werden müssten. Der Zulieferer für die Alu-Klammern hat Lieferschwierigkeiten. Jetzt müssen provisorische Klammern den Jet zusammenhalten.

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Airbus gratuliert Konkurrenten

Trotz der vielen noch zu erledigenden Arbeiten hat Boeing das Flugzeug jedoch aus symbolischen Gründen auf jeden Fall am Sonntag, dem 8. Juli, zeigen wollen: Denn das Datum entspricht in der amerikanischen Schreibweise der Typenbezeichnung 7-8-7.
Der US-Konzern baut darauf, dass in Zukunft Fluggesellschaften auf Langstrecken mehr Direktflüge mit der mittelgrossen Maschine anbieten wollen, damit Passagiere seltener an grossen Knotenpunkten umsteigen müssen. Bislang findet das Konzept bei Airlines aus aller Welt Anklang. Der Konzern hat inzwischen 677 Bestellungen vorliegen und ist bis 2015 ausgebucht. Damit ist es die erfolgreichste Produkteinführung in der Unternehmensgeschichte.
Das hat auch Konkurrent Airbus erkannt. In einer ungewöhnlichen freundschaftlichen Geste gratulierten die Europäer Boeing und sprachen von einem «grossen Tag in der Geschichte der Luftfahrt».