Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA zieht nach der Notlandung einer  Boeing 787 «Dreamliner» alle Maschinen des Modells von US-Fluggesellschaften vorerst aus dem Verkehr. Sämtliche Maschinen in den USA müssten systematisch überprüft werden, ordnete die Behörde an.

Das Startverbot soll gelten, bis alle Risiken ausgeräumt sind. Als Grund nannte die Luftfahrtbehörde das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien. In den USA fliegt bislang nur United Airlines das Modell und ist entsprechend von der FAA-Anordnung betroffen.

Die sechs United-Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA. Das könnte aber nicht ganz einfach werden: Das hochmoderne Flugzeug ist mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Die Behörde werde eng mit dem Hersteller Boeing und den amerikanischen Fluggesellschaften zusammenarbeiten, damit der Luftverkehr «so schnell und sicher wie möglich» wieder aufgenommen werden könne, hiess es weiter.

Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien. Die im japanischen Kyoto ansässige Firma GS Yuasa liefert die Lithium-Ion-Batterien für Boeings Langstreckenflieger.

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Auch Japan und Europa stoppen 787

Beim «Dreamliner» würde den Gründen für die Brandgefahr bei den Batterien gerade nachgegangen, erklärte die FAA. Sie hatte erst in der vergangenen Woche eine weitreichende Untersuchung vor allem der elektrischen und mechanischen Systeme gestartet, nachdem sich die Pannen gehäuft hatten. Damals erklärte die Behörde den «Dreamliner» aber noch grundsätzlich für flugtauglich.

Die FAA teilte mit, andere Flugaufsichtsbehörden weltweit zu informieren, damit auch diese Massnahmen ergreifen könnten. US-Experten sind zudem bereits unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen.

Auch die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA untersagt vorerst alle Flüge mit dem «Dreamliner». Damit schliessen sich die Aufseher den Vorgaben der US-Luftfahrtbehörde FAA an, wie ein EASA-Sprecher heute in Köln sagte. Vor weiteren Starts müssten das Batteriesystem modifiziert oder andere Massnahmen ergriffen werden, heisst es in einer Sicherheitsanweisung der FAA. 

In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT «Dreamliner» in Betrieb. Am Mittwoch hatte die Gesellschaft eine der Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt.

Die japanische Luftfahrtbehörde untersagte den Betrieb des «Dreamliner» ebenfalls bis auf Weiteres. Den japanischen Fluggesellschaften wurde heute eine entsprechende Anordnung erteilt. Demnach muss Boeings Vorzeigeflieger in Japan solange am Boden bleiben, bis die Sicherheit der Maschinen gewährleistet ist. 

Auch Air India nahm ihre sechs Dreamliner aus dem Flugplan. Im Einklang mit der FAA-Anweisung habe Air India entschieden, die Maschinen vorerst für Überprüfungen aus dem Verkehr ziehen, sagte der Chef der Fluggesellschaft.

«Schwerwiegenden Vorfall» in Japan

Von den 50 «Dreamlinern», die Boeing bisher ausgeliefert hat, ging rund die Hälfte nach Japan. Die Japaner waren die Erstkunden des neuen Flugzeugs. Die Fluglinie All Nippon Airways (ANA) besitzt 17 «Dreamliner», der Konkurrent Japan Airlines 9. 

In Japan hatte eine Boeing 787 der ANA wegen Batterieproblemen und Brandgeruch an Bord im japanischen Takamatsu notlanden müssen. Das japanische Verkehrsministerium bewertete die Notlandung als «schwerwiegenden Vorfall», der zu einem Unglück hätte führen können. Die beiden grössten japanischen Fluggesellschaften beorderten ihre 24 Dreamliner für Sicherheitschecks zurück auf den Boden.

Für den vermeintlichen Verkaufsschlager von Boeing häufen sich die Pannen in den vergangenen Tagen. Schon 2012 waren mehrmals technische Probleme gemeldet worden, zuletzt sorgten dann binnen kürzester Zeit Treibstofflecks, eine gesprungene Cockpit-Scheibe und ein Batteriebrand für Aufsehen.

(tno/jev/sda/awp)

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