Die Lufthansa will ihr Billigangebot ausbauen. Germanwings bekommt eine Schwester an die Seite gestellt: die neue Low-Cost-Airline «Eurowings». Sie wird auch von Zielen ausserhalb Deutschlands starten. Das sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch in Seeheim bei Frankfurt.

In Europa soll die Plattform Eurowings bereits im Frühjahr 2015 an den Start gehen und dafür bis zu 23 Jets vom Typ Airbus A320 erhalten. Das Angebot wird ausserhalb von Deutschland als erstes nach Basel erweitert, mit zwei bis vier Fliegern. «Wir wollen unser Angebot in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausbauen», sagte Lufthansa-Chef Spohr, der nach zwei Monaten im Amt Einblick in seine Strategie gab.

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Genf und Zürich bleiben «Swiss»-Standorte

Eurowings übernimmt dabei für die Swiss den Standort Basel. Die Lufthansa-Tochter werde sich von dort zurückziehen, so Spohr. «Darauf haben wir uns gemeinsam mit der Swiss geeinigt.» Genf und Zürich bleiben Swiss-Standorte. Swiss-Chef Harry Hohmeister hatte kürzlich gegenüber dem Touristikmagazin FVW gesagt, die Lufthansa-Gruppe – darunter auch die Swiss – müsste vom Geschäftsmodell der Billigflieger lernen. Zum Beispiel, weniger Buchungsklassen anzubieten.

Eurowings wird dabei in direkte Konkurrenz mit Billigflieger Easyjet treten. «Wir werden mit der Eurowings deutlich günstigere Produktionskosten haben als mit der Swiss, also werden unsere Preise auch günstiger sein»,  sagte Spohr. «Wir würden uns nicht in diesen Bereich begeben, wenn wir nicht dächten, dass wir gegen die Konkurrenz eine Chance hätten.» Easyjet hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass sie ihr Streckennetz ab Basel und Genf um sechs Strecken erweitern möchte.

Wie sich im Vorfeld angedeutet hatte, wird die Lufthansa auch ihr Langstreckenangebot um Billigangebote erweitern. Mit diesem Schritt begegnet die Lufthansa auch den günstigen Langstrecken-Flügen der Golf-Airlines von Qatar Airways, Emirates und Etihad, mit denen diese die grossen europäische Fluggesellschaften unter Druck setzen

Die Lufthansa-Plattform soll ab dem Winter 2015 aus der «Wings»-Familie bestückt werden, einen Namen oder konkrete Streckenpläne nannte Spohr noch nicht. Es gebe dazu Gespräche mit Turkish Airlines, sagte Spohr. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Es sei auch denkbar, dass die Lufthansa das Projekt alleine stemme.

Lufthansa-Chef Spohr bestätigte ausserdem die im Juni korrigierte Prognose. Der Vorstand rechnete mit einem operativen Ergebnis von rund einer Milliarde Euro. Zuvor war mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro kalkuliert worden. Spohr hatte die Gewinnerwartungen kurz nach seinem Wechsel auf den Chefposten berichtigt.