Lufthansa-Chef Christoph Franz setzt trotz des derzeitigen Sparkurses der Fluggesellschaft auf Expansion.

«Langfristig werden wir weiter wachsen. Denn auch die Nachfrage nach Flugreisen wächst weltweit», sagte der Manager dem «Handelsblatt» (Montagausgabe). Auch bei einer Konzentration der Branche wolle Franz aktiv sein. Seiner Ansicht nach werde es in 15 Jahren nur noch wenige große europäische Anbieter geben. Die Lufthansa werde und wolle dabei sein. Dafür müsse alles getan werden.

Eine Fusion mit Air France-KLM oder British Airways/Iberia kann sich der Lufthansa-Chef derzeit aber nicht vorstellen. Anders als in den USA würde die Aufsicht einen solchen Schritt kaum zulassen, zitiert ihn die Zeitung. «Die nationalen Regierungen müssen sich entscheiden: Vielfalt in Armut oder Stärke durch Bündelung der Kräfte.» Mehr Spielraum für Zusammenschlüsse sieht der Lufthansa-Chef innerhalb des Luftfahrt-Bündnisses «Star Alliance». "Der Endpunkt einer globalen Konsolidierung" könnte sein, aus deren 28 Mitgliedern eine einzige Airline zu formen.

Harte Zeiten vor den besseren Zeiten

Die Lufthansa hat ihre 120.000 Mitarbeiter im März auf noch härtere Zeiten eingestellt. Um die hohe Tankrechnung aufzufangen und genug Geld für neue Flugzeuge zu haben, verschärfte Franz den Sparkurs. Brutto will er in diesem Jahr 740 Millionen Euro einsparen nach 620 Millionen Euro im Vorjahr.

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Allein 2012 summierte sich die Tankrechnung auf 7,4 Milliarden Euro - in diesem Jahr werden 7,2 Milliarden Euro erwartet. Zudem leidet die Fluglinie unter dem harten Wettbewerb mit Ryanair und anderen Billigfliegern sowie den schnell expandierenden Rivalen vom Persischen Golf wie Emirates.

Tarifstreit mit Gewerkschaften

Allerdings wehren sich die Gewerkschaften gegen den Sparkurs. Nach Verdi machen auch die Piloten bei den Tarifen Druck. Deren Gewerkschaft Cockpit fordert für die insgesamt etwa 5000 Kapitäne der Lufthansa Passage, der Lufthansa Cargo und der Billigflugtochter Germanwings 4,6 Prozent mehr Geld. 2010 hatten die Piloten der Airline einen spektakulären Streik geliefert. Die Verhandlungen mit Verdi gehen am Montag weiter.

Die Positionen sind weit voneinander entfernt. Verdi fordert für rund 33.000 Lufthansa-Beschäftigten sichere Jobs sowie 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Lufthansa bietet nach Gewerkschaftsangaben lediglich rund 0,5 Prozent mehr Gehalt und keinerlei Zusagen zur Beschäftigungssicherung.

(aho/reuters)