Die Anfrage, ob er Chef des Lufthansa-Konzerns werden wolle, hat Christoph Franz nach BILANZ-Recherchen schon lange auf dem Tisch – zögert aber, sie mit Ja zu beantworten. Dabei drängt die Personalie: Längst hat Amtsinhaber Wolfgang Mayrhuber (61) sein Ausscheiden auf Ende 2010 verkündet. Zu diesem Zeitpunkt läuft sein Vertrag aus. Und bei Lufthansa bekommt ein neuer Chef Zeit zur Einarbeitung. Mayrhuber hatte über ein Jahr als stellvertretender CEO gedient, bevor er Chef wurde. Obwohl er damals schon über 30 Jahre im Konzern war.

Insider bestätigen, dass Franz Wunschkandidat von Mayrhuber und Aufsichtsratschef Jürgen Weber sei. Dennoch kursieren bei Lufthansa Gerüchte, Mayr­huber wolle eventuell länger bleiben, zumal er jüngst sagte, er wolle sich «nicht auf halbem Weg aus dem Staub machen». Damit möchte Mayrhuber dem zögernden Franz womöglich Zeit verschaffen. Offiziell lassen Mayrhuber und Weber keine Präferenz erkennen. Sogar im eigenen Aufsichtsrat sprechen sie vielsagend von mehreren «internen und externen Kandidaten».

Was hält Franz von einer schnellen Zustimmung ab? In der Branche überschlagen sich die Gerüchte, Insider können sich das Zögern erklären. Franz hat sich mit Frau und fünf Kindern bestens in der Schweiz eingelebt und sich mit uneitler Arbeit Respekt erworben. Ritterschlag war die Aufnahme in den Stiftungsrat von Avenir ­Suisse. Die Swiss ist bestens aufgestellt, Franz hat gute Leute ins Team geholt. Das aufzugeben, dürfte dem 48-Jährigen nicht leicht fallen.

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Weitere Kandidaten für den CEO-Posten sind die beiden Mitglieder der dreiköpfigen Konzernleitung neben Mayr­huber, Personalchef Stefan Lauer und Finanzchef Stephan Gemkow. Allerdings hat Lauer im Streit mit dem fliegen­den Personal nicht immer gut ausgesehen. Gemkow wird als sehr fähig beur­teilt, tritt aber kaum in Erscheinung. Als Papabile gilt auch Cargo-Chef Carsten Spohr. Dieser ist aber mit 42 Jahren sehr jung und gilt als Intimus von Mayrhuber – der sich vielleicht gerade deshalb nicht die Finger an einer Promotion Spohrs verbrennen will.

Eine wichtige, ungeklärte Frage ist, wie Lufthansa künftig aussieht. Bisher leitete Mayrhuber Passage-Business und Gesamtkonzern in Personalunion. Ein Nachfolger wird das spätestens seit den Zukäufen von Brussels und Au­strian kaum mehr leisten können. Deshalb wird diskutiert, unterhalb des CEO einen Leiter des Airline­geschäfts zu installieren. Abhängig von den jeweiligen Personen könnte das mit sich bringen, dass der CEO eine eher präsidiale Rolle spielt und der Airlinechef die eigentliche operative Führung übernimmt.

Als mögliche Airlinechefs unter einem CEO Franz werden neben Spohr Bereichsvorstände wie Karl Ulrich Garnadt und Holger Hätty gehandelt, von der Swiss zudem Netzwerkchef Harry Hohmeister. Hohmeister könnte aber auch Franz bei Swiss nachfolgen.

Mayrhuber gilt als entspannt genug, einem Nachfolger keine Struktur aufzuzwingen, sondern diesem freie Hand zu geben. Franz jedenfalls würde Mayr­huber mit einer Absage in Bedrängnis bringen – der Swiss-Chef gilt als mit ­Abstand einleuchtendste Option.