Die Lufthansa geht davon aus, dass es sich bei dem Absturz der Germanwings-Passagiermaschine in den französischen Alpen um ein Unglück handelt. «Bis auf weiteres sagen wir, es war ein Unglück», erklärte Lufthansa-Managerin Heike Birlenbach am Dienstag in Barcelona.

«Mehr können wir derzeit nicht sagen. Alles andere wäre Spekulation.» Die US-Regierung hatte zuvor mitgeteilt, es gebe keine Hinweise auf einen Anschlag. Die Ursache eines der schwersten Unglücke in der Luftfahrt in Europa seit Jahren ist noch unklar.

«Bild des Grauens»

Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier äussert sich nach der Ankunft am Ort des Flugzeugabsturzes erschüttert: «Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens. ... Die Trauer der Familien und Angehörigen ist unermesslich.» Alle müssten den Hinterbliebenen jetzt gemeinsam beistehen.

Auch US-Präsident Barack Obama hat sich zum Unglück geäussert. Er bietet Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat seine Hilfe an. Der Absturz sei eine furchtbare Tragödie, sagt Obama. Die USA versuchten zudem herauszubekommen, ob auch Amerikaner an Board des abgestürzten Flugzeugs gewesen seien, sagt der Staatschef.

Eine Blackbox gefunden

In Frankreich ist ein Airbus A320 der deutschen Lufthansa-Tochter Germanwings mit 144 Passagieren und 6 Besatzungsmitgliedern an Bord auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt. «Es gibt keinen Überlebenden», sagte der für Verkehr zuständige Staatssekretär Alain Vidalies im nordfranzösischen Lille. Dies bestätigte auch die französische Polizei. Die Bergung der Leichen aus unwegsamen Gelände werde Tage dauern, heisst es weiter.

Einer der beiden Flugschreiber der in den französischen Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine ist gefunden worden. Die Blackbox werde umgehend ausgewertet, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Dienstag vor Journalisten. Die Absturzstelle werde noch am Abend gesichert, damit die Rettungsdienste leichter in das Gebiet gelangen könnten.

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Wohl auch Schüler unter den Opfern

An Bord der abgestürzten Maschine befanden sich nach Angaben von Germanwings 67 Deutsche. Darunter waren wohl auch 16 Schüler und 2 Lehrer aus der westdeutschen Stadt Haltern. «Wir wissen, dass die Schülergruppe an Bord der Maschine gegangen ist», sagte Schulministerin des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann. Das Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See wurde geschlossen, in der Schule wurde ein Krisenstab gebildet. Polizei und Feuerwehr fuhren am Nachmittag vor. Notfallseelsorger waren im Einsatz, Schüler legten Blumen nieder.

Unter den Opfern sind nach Angaben der Madrider Regierung auch viele Spanier. Auf der Passagierliste des Flugzeugs stünden 45 Reisende mit spanischen Nachnamen, teilte die spanische Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría mit.

«Tiefes Mitgefühl»

Zur Unfallursache könnten noch «keine gesicherten Angaben» gemacht werden, sagte der Co-Geschäftsführer der Fluggesellschaft, Oliver Wagner, in einer im Fernsehen übertragenen Stellungnahme. Den Angehörigen und Freunden der Verunglückten sprach Wagner sein «tiefes Mitgefühl» aus. «Das Geschehene tut uns unendlich leid.»

Die französische Flugaufsicht erklärte, dass von dem Flugzeug kein Notruf abgesetzt worden sei. Stattdessen hätten dann die Fluglotsen eine Notsituation erklärt. Der Kapitän des abgestürzten Flugzeugs hatte laut Germanwings seit mehr als zehn Jahren für Germanwings und Lufthansa gearbeitet. Auf dem Modell Airbus habe er über 6000 Flugstunden absolviert. 

Routinecheck am Montag

Der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 sei noch am Montag einem letzten Routinecheck unterzogen worden, so Germanwings-Co-Chef Thomas Winkelmann . Am Dienstag sei das Flugzeug um 6.48 Uhr zunächst mit 122 Passagieren von Düsseldorf nach Barcelona geflogen, bevor sich die Maschine um 10.01 Uhr wieder auf den Weg zurück nach Düsseldorf gemacht habe.

Nach bisherigen Erkenntnissen habe das Flugzeug um 10.45 Uhr seine reguläre Reiseflughöhe erreicht und diese nach einer Minute wieder verlassen. Es sei dann in einen Sinkflug eingetreten, der acht Minuten gedauert habe. Der Kontakt des Flugzeugs zum französischen Fluglotsen sei um 10.53 Uhr auf einer Höhe von rund 6000 Fuss (etwa 1800 Meter) abgebrochen.

Der Pilot Markus Wahl, Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit, erklärte: «Wir wollen uns im Moment nicht an Spekulationen beteiligen, da wir derzeit keine weiteren technischen Informationen haben. Aber es war kein Absturz, bei dem das Flugzeug wie ein Stein vom Himmel fällt. Nach allem was wir wissen, war es ein kontrollierter Gleitflug, wenn man sich die Sinkdaten der Maschine ansieht. Um seriöse Aussagen über den Hergang machen zu können, müssen zuerst der Flugdatenschreiber und der Cockpit-Voice-Rekorder gefunden werden.»

 
— Flightradar24 (@flightradar24) 24. März 2015

Der Airbus stürzt nahe dem südfranzösischen Ort Digne im Département Alpes-de-Haute-Provence ab. Gendarmerie-Helikopter entdeckten laut dem französischen Innenministerium Trümmerteile in den südlichen Alpen in der Region von Barcelonnette.

Die Gegend befindet sich rund 100 Kilometer nordwestlich von Nizza. Innenminister Bernard Cazeneuve sei auf dem Weg zum Unfallort, sagte Premier Manuel Valls «Le Figaro» zufolge.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt reist zur Absturzstelle des Germanwings-Airbus nach Frankreich. Er werde demnächst aufbrechen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Bereits unterwegs seien Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, die die Absturz-Ursache vor Ort mit aufklären wollten. 

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Lufthansa-Chef: Schwarzer Tag

Die abgestürzte Airbus-Maschine war mehr als 24 Jahre alt. Nach Informationen der Website Airfleets.net wurde die Maschine vom Typ A320 am 6. Februar 1991 an die Lufthansa ausgeliefert. Zwischenzeitlich war der Jet mit 147 Sitzplätzen und der Kennung D-AIPX unter dem Städtenamen «Mannheim» unterwegs. Ihren Jungfernflug hatte sie am 29. November 1990.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von einem schwarzen Tag für den Konzern. Die Absturzursache war zunächst unklar. «Wir kennen die Berichte über den Absturz, können aber noch nichts bestätigen», sagte ein Airbus-Sprecher. Der Flugzeughersteller versuche derzeit Klarheit über die Geschehnisse zu bekommen.

 
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Krisenstab eingerichtet

Die deutsche Regierung richtete einen Krisenstab ein. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, das Auswärtige Amt stehe «in engstem Kontakt» zu den französischen Behörden. Zu möglichen deutschen Todesopfern machte er zunächst keine Angaben. Steinmeier sagte: «In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei all denjenigen, die darum fürchten müssen, dass ihre Angehörigen unter den Passagieren oder Besatzungsmitgliedern sind.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt an, dass sie am Mittwoch zur Absturzstelle reisen wird, um sich ein Bild vor Ort zu verschaffen. Der Absturz sei ein Schock. Noch sei vieles unklar, daher verbiete es sich, über die Ursache zu spekulieren.

Fluglotsen sagen Streik ab

Die französische Fluglotsen-Gewerkschaft SNCTA hat nach dem Absturz einen von Mittwoch bis Freitag angekündigten Streik abgesagt. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen SNCTA-Sprecher. «Wir verschieben unsere Streik-Ankündigung aufgrund der in den Kontrollräumen nach dem Absturz ausgelösten Ängste, vor allem in Aix-en-Provence.»

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Germanwings ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG. Gemeinsam mit der Flotte der Lufthansa-Tochter Eurowings soll sie künftig Direktverkehr in ganz Europa anbieten.

Terrorakt zu befürchten?

Der Absturz belastete auch die Aktien von Lufthansa und Airbus. Die Papiere der Muttergesellschaft von Germanwings wurden am Mittag mit minus 4,28 Prozent auf 13,19 Euro ans Dax-Ende gedrückt. Die Papiere des Flugzeugbauers Airbus rutschten im MDax um 2,65 Prozent auf 58,46 Euro ab. Es fehlten aber noch Details zur Absturzursache, die dann nochmal auf die Börse wirken dürften, sagten Händler.

Sollte es sich um einen Terrorakt handeln, dann seien deutlich negative Effekte auf die gesamte Tourismusindustrie zu befürchten. Handele es sich um einen technischen Fehler, könnten Triebwerkshersteller oder andere beteiligte Zulieferer belastet werden. Zunächst werde Lufthansa besonders hart getroffen, da die Fluggesellschaft auch einen Reputationsbonus als besonders sicherer Anbieter verliere, sagte ein Börsianer. Bei Airbus sei mit dem Mittelstreckenjet A320 die wichtigste Baureihe betroffen. Im Dezember war eine AirAsia-Maschine des gleichen Typs abgestürzt

Diese Meldung aktualisieren wir fortlaufend.

(reuters/awp/sda/tno/chb)
 

Dies sind die Nummern der Krisen-Hotlines für Angehörige in Deutschland:

Germanwings/Lufthansa: 0049 (0) 800 11 33 55 77 
Flughafen Düsseldorf:  0049(0)800-7766350
Auswärtiges Amt: 0049(0)30-50003000