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Lufthansa holt sich das Filetstück von Air Berlin

Lufthansa will heute Kauf von Air Berlin besiegeln
Air Berlin: Lufthansa wird voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen. Keystone

Grosse Teile von Air Berlin gehen an die Lufthansa. Die Anleger jubeln. Zudem laufen die Verhandlungen mit Easyjet weiter. Und ein weiterer Interessent könnte ebenfalls noch zum Zug kommen.

Grosse Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin gehen an den Swiss-Mutterkonzern Lufthansa. Beide Unternehmen unterzeichneten am Donnerstag in Berlin einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Berlin ankündigte.

Das Geschäft steht aber noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Überprüfung. Nicht zu einem Abschluss führten hingegen bislang Verhandlungen mit der britischen Gesellschaft Easyjet, die bis zu 30 Maschinen samt Verkehrsrechten und Besatzungen übernehmen sollte. Die Verhandlungen würden noch am Donnerstag fortgesetzt, sagte ein Sprecher der Air Berlin. Ob die Berliner nun auch den Kaufinteressenten Condor wieder an den Tisch holen, blieb offen.

81 Flugzeuge für die Lufthansa

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrösste deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Staats über 150 Millionen Euro gesichert. Spohr hatte bekräftigt, dass sein Unternehmen von Air Berlin voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür 1,5 Milliarden Euro investieren werde.

Die Beschäftigten der nicht insolventen Teilgesellschaften Niki und LG Walter werden Konzernkreisen zufolge direkt übernommen, die übrigen rund 1500 Stellen sollen über Neu-Einstellungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings besetzt werden. Darauf könnten sich auch Air-Berlin-Mitarbeiter bewerben. Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten. Für die Air Berlin Technik läuft ein getrenntes Verkaufsverfahren.

«Wir gehen von sinkenden Preisen aus»

Aus Spohrs Sicht muss das Aus für Air Berlin die Ticketpreise nicht nach oben treiben. «Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen», sagte er der «Rheinischen Post» (Donnerstag). «Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus.» Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. «Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu.»

Die Ankündigung Spohrs traf bei Experten auf Skepsis. Der Kartellrechtler Daniel Zimmer, der ehemalige Chef der deutschen Monopolkommission, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: «Das ist ein netter Versuch, die Wettbewerbsprobleme klein zu reden.» «Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen», sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. «Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein», sagte der Luftverkehrsberater Gerald Wissel.

Gestrandete Passagiere heimholen

Spohr kündigte in der «Rheinischen Post» zugleich ein Angebot an, «um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben». Aus Lufthansa-Kreisen hiess es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Details seien noch nicht ausgearbeitet. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hiess. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB «nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich». Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit.

(reuters/sda/cfr/moh/gku)
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