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Verkauf
Lufthansa ist Favorit im Kampf um Air Berlin

Air Berlin: Mehrere Interessenten für Teile der Airline. Keystone

Für die insolvente Fluggesellschaft gibt es mehrere Bieter. Wer das Rennen macht, entscheidet sich am 25. September. Dabei geht es um 8000 Mitarbeiter, deren Jobs teilweise akut gefährdet sind.

Veröffentlicht am 15.09.2017

Der Bieterkampf um die insolvente Air Berlin geht in die heisse Phase. Mehrere Interessenten haben bis zum Ablauf der Frist am Freitagnachmittag ihre Angebote für die Fluggesellschaft oder Teile davon eingereicht. Endgültige Entscheidungen zum Verkauf sollen am 25. September fallen - und damit einen Tag nach der Bundestagswahl.

Als Favorit gilt die Lufthansa, die die Abgabe einer Offerte bestätigte, ohne Details zu nennen. Aus Verhandlungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass Deutschlands grösste Fluggesellschaft für 70 bis 90 der gut 140 Maschinen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag biete.

Politisch heikel

Der Verkauf von Air Berlin gilt als politisch heikel - nicht zuletzt, weil die Fluggesellschaft seit ihrer Insolvenz Mitte August nur noch mit einem umstrittenen Staatskredit über 150 Millionen Euro weiterfliegen kann. Der Grossaktionär Etihad hatte der verlustreichen Airline den Geldhahn zugedreht.

Der Sachwalter für Air Berlin, Lucas Flöther, nimmt nun mit seinem Team die Angebote unter die Lupe. «Der aktuelle Stand zum Ende der Frist heute 14 Uhr ist, dass wir mehrere Angebote bekommen haben», sagte Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel zu Reuters TV. Man werde die Offerten sorgfältig prüfen und dem Gläubigerausschuss am 21. September eine Auswertung vorlegen, ergänzte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus: «Mit abschliessenden Entscheidungen rechne ich nach der Aufsichtsratssitzung der Air Berlin am 25. September.»

Arbeitsplätze retten

Die verbindlichen Angebote müssen neben dem konkreten Kaufpreis auch Informationen über den Bieter enthalten sowie eine Beschreibung der Unternehmensteile, an denen Interesse besteht. Zudem müssen Investoren die geplante strategische Ausrichtung und ihre aktuellen Aktivitäten oder Investments in der Luftfahrtbranche erläutern.

Air Berlin hat 8000 Mitarbeiter, vor allem Beschäftigte der Technik-Sparte und der Verwaltung fürchten um ihre Jobs. «Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen», sagte Konzernchef Thomas Winkelmann. Die Zeit allerdings drängt, denn die Airline macht wegen sinkender Buchungen täglich mehrere Millionen Euro Verlust. Damit stellt sich die Frage, ob die Finanzhilfen der Steuerzahler ausreichen, bis die Kartellbehörden grünes Licht geben und die Restrukturierung beginnen kann. Möglicherweise müssen die Bieter also noch Geld zuschiessen. «Das müssen die Interessenten einpreisen», hiess es aus Verhandlungskreisen.

Interesse wird auch Easyjet nachgesagt. Der Billigflieger liess sich aber nicht in die Karten schauen, ob er ein Angebot abgegeben hat. Von der British Airways-Mutter IAG war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Niki Laudas Angebot

Der Ex-Rennfahrer Niki Lauda legte eine Offerte zusammen mit der Thomas-Cook-Tochter Condor vor. «Wir haben geboten», sagte Lauda zur Nachrichtenagentur APA. Lauda hat sich zuletzt wiederholt vor allem am Rückkauf der von ihm gegründeten und später an Air Berlin verkauften österreichischen Airline Niki interessiert gezeigt.

Der deutsche Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat bereits ein Angebot eingereicht. Die Berliner Logistikfirma Zeitfracht bietet für die Frachttochter Leisure Cargo, die Regionalflugtochter Walter (LGW) und die Air Berlin Technik. «Wir gehen fest davon aus, dass wir damit rund 1000 Arbeitsplätze der insolventen Air Berlin Gruppe sichern und unsere Zeitfracht Gruppe zu einem gut etablierten Luftfracht-Carrier ausbauen können», erklärte Firmenchef Wolfram Simon. Den angebotenen Kaufpreis nannte er nicht.

Offerte für Belair

Zudem liegt für die Schweizer Air Berlin-Tochter Belair offenbar ein Kaufangebot vor. Es sei mindestens eine Offerte eingegangen, schreibt die Geschäftsleitung in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter, wie die Zeitung «az Nordwestschweiz» am Freitag berichtete.

Das Schreiben, das auch der Nachrichtenagentur sda vorliegt, trägt das Datum vom letzten Dienstag. Wer die möglichen Retter sein könnten, steht nicht in dem Schreiben. Einem Medienbericht zufolge hat auch der frühere Energiemanager Utz Claassen ein «Angebot zur Komplettübernahme» vorgelegt. Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang von der Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern erhielt derweil für sein Angebot eine Fristverlängerung bis zum 21. September, wie sein Anwalt Helmut Naujoks sagte.

(sda/gku)

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