Als die französische Air France und die niederländische KLM sich zur umsatzmässig grössten Airline in Europa formierten, kam bei Lufthansa keine Panik auf. «Wir wollen nicht die Grössten sein, sondern die Besten», betonte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber und verwies dennoch darauf, dass Lufthansa mit ihren 15 Partnern aus der Star Alliance das weltweit grösste Streckennetz zu bieten hat.

Lufthansa will ihre Position nicht durch teure Übernahmen stärken. Partnerschaft ist das Zauberwort. Geld wollten die Deutschen nur in die Hand nehmen, wenn es sich nicht vermeiden lässt und ein Partner gestützt werden muss. Denn Geld hat auch die Lufthansa nicht zu verschenken, obwohl die Airline in den turbulenten Krisenjahren der Branche weit davon entfernt war, in wirkliche Finanznöte zu gelangen. Weit vorausschauend verkaufte Lufthansa die überraschende Kapitalerhöhung im letzten Frühjahr, die 750 Mio Euro frisches Kapital in die Kasse spülte: Man wolle sich auf die anstehenden Milliarden-Investitionen, vor allem für die Anschaffung des neuen Grossraumflugzeuges Airbus A 380, vorbereiten. Spekulationen, dass die Lufthansa mit diesem frischen Geld etwa eine Übernahme plane, wurden weit von sich gewiesen.

Auch interessant

Zulieferdienste

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber betont immer wieder, dass das Geschäft mit Passagieren der eigentliche Kern des Konzerns sei. Wenn dieses erfolgreich sei, würden auch alle anderen Bereiche des Unternehmens florieren. Daher hat er den Ausbau der Partnerschaften vorangetrieben. Ein Netz von Regionalfluggesellschaften transportiert die Kunden nun aus mehreren europäischen Ländern in die Drehkreuze in Frankfurt und München, von wo aus es in die Welt geht.

Um der zunehmenden Konkurrenz der Billigflieger Paroli bieten zu können, hat Lufthansa ein ganzes Bündel von Massnahmen eingeleitet, um sowohl die gut zahlenden First- und Business-Passagiere als auch preisbewusste Touristen in die Lufthansa-Maschinen zu locken.

Spezielle Abfertigung

Ihren besten Kunden will die Lufthansa Aussergewöhnliches bieten. Daher hat sie in Frankfurt für 15 Mio Euro vor kurzem ein eigenes Terminal für First-Class-Passagiere gebaut, in dem die Kunden nicht nur fürstlich hofiert, sondern von dem aus sie mit Luxuslimousinen direkt an ihr Flugzeug gefahren werden. Ein zweites Terminal entsteht derzeit in München. Von dort können seit kurzem auch die Kunden, die es besonders eilig haben, mit einem Privatjet direkt zu ihrem Heimatort geflogen beziehungsweise von dort abgeholt werden.

Für den A 380, den die Lufthansa von 2007 an als eine der ersten Fluggesellschaften in Betrieb nehmen wird, sollen in Frankfurt und München spezielle Abfertigungsanlagen entstehen, bei denen First- und Business-Passagiere getrennt von den Economy-Kunden in ihr jeweiliges Stockwerk in dem Riesenvogel gehen können. Die gut zahlende Kundschaft aus der Schweiz könnte mit dazu beitragen, die Auslastung der Maschinen auf der Langstrecke zu verbessern. Dafür ist die Lufthansa bereit, den Flughafen Zürich zu einem dritten Drehkreuz auszubauen. Auch das nicht ohne Grund: In Frankfurt verzögert sich der Ausbau um eine neue Landebahn bis 2008, und auch in München könnte es in zwei bis drei Jahren eng werden.

Lufthanseaten

Ein sparsamer Riese auf vielen Füssen und breit vernetzt: Am 1. April 2005 feiert die Lufthansa ein Jubiläum. Genau vor 50 Jahren durfte die nach dem Zweiten Weltkrieg gerade wieder gegründete deutsche Fluggesellschaft den Linienflugverkehr aufnehmen. Seitdem hat sich die Lufthansa zu einer der führenden Airlines der gesamten Branche entwickelt. Selbst die schweren Krisenjahre nach den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001 überstand die Linie mit dem Kranich verhältnismässig gut. Und im vergangenen Jahr beförderte sie mit mehr als 50 Mio Passagieren so viele Menschen wie nie zuvor. Die rund 90000 Lufthanseaten, wie sich die Mitarbeiter des Konzerns selbst nennen, erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 16 Mrd Euro. Nachdem 2003 die Konzernrechnung durch hohe Abschreibungen, vor allem auf die Catering-Tochter LSG Sky Chefs und den Touristikkonzern Thomas Cook, zu einem Verlust von fast 1 Mrd Euro geführt hatten, stand im vergangenen Jahr wieder ein Gewinn von knapp 400 Mio Euro in den Büchern. Die Finanzausstattung der Lufthansa gilt als eine der solidesten in der Branche. Das ist zum einen auf den strikten Sparkurs zurückzuführen, den der Konzern nach dem Einbruch der Luftfahrtbranche von 2001 verordnet bekommen hatte. Zum anderen aber sehen Experten dies auch als Erfolg der Allianz-Strategie an. Frühzeitig hat Lufthansa gemeinsam mit United Airlines einen Verbund gegründet, dem heute weltweit 16 Fluggesellschaften angehören. Die Star Alliance ist mit Abstand das grösste und erfolgreichste Netzwerk von weltweit operierenden Airlines. Zur Flotte der Lufthansa und ihrer Regionalpartner gehören rund 400 Jets, die weltweit 450 Ziele anfliegen. Das einstige Staatsunternehmen wurde zwischen 1994 und 1997 privatisiert, die Aktien befinden sich in Streubesitz. Über eine 49%-Beteiligung an der regionalen Fluggesellschaft Eurowings ist Lufthansa auch über deren Tochter Germanwings im Markt der Billigflieger vertreten. Im Frachtgeschäft nimmt Lufthansa Cargo die Spitzenposition ein, und auch die Catering-Tochter LSG Sky Chefs ist der grösste Airline-Caterer der Welt. Am zweitgrössten Reisekonzern, Thomas Cook, ist die Lufthansa gemeinsam mit dem Warenhauskonzern Karstadt-Quelle zu je 50% beteiligt. Und die Lufthansa Technik bietet ihre Dienste über 370 Fluggesellschaften aus aller Welt an.

Klaus Dieter Oehler, Frankfurt