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Lufthansa in Turbulenzen

Wird er wirklich Chef des Lufthansa-Aufsichtsrates? Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber. (Bild: Keystone)

Im Aufsichtsrat der Lufthansa bahnt sich offenbar ein Machtkampf an. Die deutsche Flugbegleiter-Gewerkschaft wirft der Airline derweil Missmanagement und Verunsicherung der Mitarbeiter vor.

Veröffentlicht am 29.04.2012

Im Aufsichtsrat der Lufthansa wächst nach Informationen des «Spiegel» der Widerstand gegen den früheren Airline-Chef Wolfgang Mayrhuber. Nach den Vorstellungen des aktuellen Chefkontrolleurs Jürgen Weber soll Mayrhuber im kommenden Jahr als neuer Aufsichtschef vorgeschlagen werden.

Das Magazin zitiert jedoch mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums, die einen scharfen Gegensatz zwischen dem aktuellen Sparkurs und der Linie Mayrhubers bis zu seinem Abschied als Lufthansa-Chef zum Jahresende 2010 sehen.

Mayrhubers Nachfolger Christoph Franz trimmt Europas grösste Fluggesellschaft gerade massiv auf einen Sparkurs und legt nach Überzeugung von Kritikern Fehler seines Vorgängers bloss, dessen Glaubwürdigkeit massiv in Frage gestellt sei.

«Die Jungs machen Kleinholz aus seinem Vermächtnis», sagte ein Aufsichtsrat dem «Spiegel». Deshalb fände er es besser, wenn der neue Aufsichtschef von aussen komme. Ein anderes Mitglied wird zitiert: «Was wir gerade erleben, ist die Abkehr von der Mayrhuber-Doktrin.»

Der frühere Vorstandschef Mayrhuber kann erst nach einer zweijährigen Abkühlphase an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt werden, voraussichtlicher Termin wäre die Hauptversammlung 2013.

Die Lufthansa wollte ein internes Schreiben des jetzigen Chefkontrolleurs Weber nicht bestätigen, in dem dieser sich für ein Festhalten an Mayrhuber ausgesprochen habe. Ein Sprecher wies aber darauf hin, dass sich Weber bereits mehrfach und auch öffentlich für Mayrhuber als seinen Nachfolger ausgesprochen habe. Die Entscheidung liegt bei den Aktionären.

Flugbegleiter-Gewerkschaft attackiert Lufthansa

Die deutsche Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO wirft der Lufthansa Missmanagement und die Verunsicherung der Mitarbeiter vor. Auslöser sind die Spekulationen über weitere Sparrunden und eine neue Billigflug-Linie, in der die Beschäftigten angeblich zu schlechteren Konditionen arbeiten sollen.

Die Probleme der Airline seien auf Fehler der Konzernleitung zurückzuführen und dürften nicht zulasten der Mitarbeiter gehen, erklärte die UFO in einer Stellungnahme. Die Lufthansa lehnte es ihrerseits ab, auf die Vorwürfe einzugehen. «Den Dialog mit den Gewerkschaften führen wir am Tariftisch», sagte ein Sprecher auf Anfrage der deutschen Nachrichtenagentur DAPD.

In der Erklärung der Gewerkschaft heisst es: «Taschenspielertricks wie die juristische Umgehung von Tarifverträgen wird die UFO nicht zulassen». Die Lufthansa habe es jahrelang versäumt, eine Antwort auf die Billigkonkurrenz zu suchen. Die Devise «einfach billig» könne keine Lösung für die derzeitigen Probleme sein.

Billig-Airline: Projektname Direct4U

Jahrelang habe es «keine adäquate Antwort auf die Konkurrenz von Airlines aus dem Mittleren Osten» gegeben, bemängelt die UFO. Die Lufthansa-Führung habe es versäumt, in die Langstreckenflotte und in die Ausstattung zu investieren. Stattdessen habe der Konzern den Preiskampf mit reduziertem Service und weniger Platz aufgenommen. «Es wurde einfach hochpreisig weitergewurschtelt», so die Gewerkschaft.

Eben erst diesen Freitag hatte die Lufthansa einen Medienbericht bestätigt, demnach Deutschlands grösste Fluggesellschaft über die Etablierung einer neuen Billig-Airline nachdenke.

Unter dem Projektnamen Direct4U prüfe die Lufthansa die Zusammenlegung ihrer Töchter Germanwings und Eurowings, erklärte daraufhin ein Unternehmenssprecher. Ziel sei es dabei, im Konkurrenzkampf mit Billigfliegern Marktanteile im Direktverkehr in Europa zu sichern.

(tno/sda/awp)

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