Neben den europäischen Billigfliegern sind die erfolgreichen Airlines aus der boomenden Golfregion zu einer gefährlichen Konkurrenz für die Lufthansa geworden. Um sich dagegen zu wappnen, will die die deutsche Fluggesellschaft laut «Spiegel Online» einen Schritt nach vorne machen und möglicherweise eine Kooperation mit  Turkish Airlines eingehen.

Während sich die Lufthansa selbst bedeckt hält, hat der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan vor Parteifreunden bereits behauptet, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und er hätten über eine gemeinsame Verwaltung der beiden Fluggesellschaften diskutiert.

So weit dürfte es dann doch nicht kommen, doch bereits heute sind die beiden Airlines Teil des Luftfahrtbündnisses Star Allliance und bieten gemeinsame Flüge an. Und diese Anzahl Flüge könnte deutlich ausgeweitet werden. Ebenso ist eine gemeinsame Abfertigung von Passagieren durchaus denkbar, denn die Vorteile für eine verstärkte Zusammenarbeit der Lufthansa mit Turkish Airlines sind offensichtlich.

Eigene Köche an Bord

So ist Turkish Airlines einerseits den Golf-Airlines sehr ähnlich, in wichtigen Punkten aber dennoch sehr verschieden - und genau diese machen sie für die Lufthansa so interessant. Die türkische Fluggesellschaft geniesst inzwischen einen ausgezeichneten Ruf und wurde 2012 bereits zum zweiten Mal hintereinander zur beliebtesten Airline Europas gewählt. Der Grund: Turkish Airlines bietet ebenso wie die Airlines aus den Golfstaaten einen hervorragenden Service an - so reisen zum Beispiel in der Business Class eigene Köche mit.

Noch wichtiger dürfte jedoch die Geografie sein: Der Flughafen von Istanbul liegt als Verbindungsknoten zwischen den alten Industriestaaten und den prosperierenden Schwellenländern Asiens ebenso wie die Heimatflughäfen der Golf-Airilnes bedeutend günstiger als die bisherigen Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt, Zürich oder München. Damit könnten Umwege auf gewissen Langstrecken vermieden werden.

So sagt etwa der Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper gegenüber «Spiegel Online», dass beispielsweise «die Südeuropäer bereits mal in die richtige Richtung fliegen» und bei Zielen wie Tokyo, Shanghai oder Seoul wäre ein deutsch-türkisches Bündnis gegenüber den Golf-Airlines sogar klar im Vorteil - denn, so Pieper weiter, «da akzeptiert kein normaler Geschäftsreisender den stundenlangen Umweg über Dubai».

Grösster Flughafen der Welt

Eine Ähnlichkeit zu den erfolgreichen Airlines aus den Golfstaaten besteht ebenfalls in der grossen Staatsnähe von Turkish Airlines. Demnach gehören 49 Prozent dem türkischen Staat, und in Istanbul wird zur Zeit am grössten Flughafen der Welt gebaut - einem der Lieblingsprojekte des türkischen Premiers Erdogan.

Ein Hauptvorteil einer Kooperation mit Turkish Airlines ist für die Lufthansa der bestehende Flugplan der Türken: diese fliegen im Gegensatz zu den Golf-Airlines bereits zahlreiche deutsche Flughafen an. Somit würde man sich mit einer Zusammenarbeit einen potenziellen Konkurrenten vom Halse schaffen, der erst noch eigene Passagiere mitbringt.

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(rcv/vst)