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Lukaschenko gibt Stadler Rail grünes Licht

Die Montagehalle der Firma Stadler Rail in Bussnang mit zwei FLIRT-Zugskompositionen. (Bild: Keystone)

Mit einer Wahl wie zu Sowjetzeiten hat Staatschef Alexander Lukaschenko seine Macht gefestigt. Damit sind die Weichen gestellt für das Joint-Venture zwischen Stadler Rail und dem weissrussischen Staat

Von Marcel Speiser
am 24.09.2012

Peter Spuhlers Vorhaben, mit seiner Stadler Rail in den boomenden Eisenbahn-Märkten der ehemaligen Sowjetunion Fuss zu fassen, kommt voran. Langsamer zwar als sich das der Schweizer Unternehmer vorstellt: «Die Mühlen in diesen Ländern mahlen langsam», sagt er.

Doch das Projekt macht Fortschritte. Geplant ist, bis Ende nächsten Jahres in einer Sonderwirtschaftszone nahe der weissrussischen Hauptstadt Minsk ein neues Werk zu bauen. Es wird als «Einfallstor» in die Ost-Märkte dienen.

Für das Endmontagewerk bei Minsk lässt sich Stadler Rail auf ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem weissrussischen Staat ein. Klar ist bereits, dass das Joint-Venture den Namen OAO Stadler Minsk trägt. Es soll gemäss einer Präsentation von Ludmila Bodganova, Verkaufsleiterin GUS bei Stadler, zu 60 Prozent Stadler Rail gehören. Den Rest hält das so genannte «Gebietsexekutivkomitee Minsk», eine staatliche Einheit der Hauptstadtregion. Spuhler bestätigt diese Recherchen der «Handelszeitung». Er sagt aber: «Die Zusammenarbeitsverträge sind noch nicht unterschrieben.»

Das Projekt hat die Rückendeckung von Wahlsieger Alexander Lukaschenko. Der weissrussische Präsident hat dem Joint-Venture am 20. Juli dieses Jahres in einem Präsidentenerlass «Über die Organisation der Produktion von elektrischen Eisenbahnfahrzeugen und städtischen Elektrofahrzeugen für den Personenverkehr» sein Plazet gegeben. «Ohne das Dekret ginge gar nichts», sagt Spuhler dazu. Der Erlass sei vergleichbar mit einer Verfügung einer Kantonsregierung in der Schweiz.

Gebaut wird das neue Produktionswerk in Fanipol, gut 20 Kilometer ausserhalb von Minsk. Ein Grundstück dafür ist am Ortsrand bereits ausgeschieden und reserviert. Gemäss Angaben weissrussischer Regierungsquellen sollen rund 50 Millionen Euro in die neue Produktionsstätte investiert werden. In einem ersten Schritt aber werden gemäss Spuhler «unter 20 Millionen Euro» investiert.

Hohes Wachstum beim Rollmaterial

Mit dem Einstieg in Weissrussland hofft Stadler, die weitaus bedeutsameren Märkte der GUS zu knacken. Der Markt für Bahntechnik in Russland und der GUS ist gemäss Angaben von Stadler grösser als 18 Milliarden Euro. Das Wachstum beim Rollmaterial wird bis 2016 auf 4,4 Prozent pro Jahrgeschätzt. Die Rate liegt damit doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Im neuen Werk sollen zunächst 13 S-Bahnzüge und 6 Intercity-Züge entstehen.Danach könnten Bestellungen von bis zu 100 weiteren Zügen hinzukommen. Spuhler betont: «Bei allen Aufträgen werden wir auch Wertschöpfung in der Schweiz haben und bei uns Arbeitsplätze sichern.»

Doch neue Aufträge sind für Stadler nur das eine. Ebenfalls wichtig für das Unternehmen ist es, dank der neuen Produktion in Weissrussland die eigenen Kosten senken zu können. Derzeit ist man gemäss Verkaufsleiterin Bogdanova auf der Suche nach leistungsfähigen und günstigen Unterlieferanten. Das Joint-Venture selbst könnte sich für Stadler zu einem«günstigen Lieferanten für Stahl-Schweisskonstruktionen» entwickeln – insbesondere für das Stadler-Werk in Polen.

«Europa ist tot. Wir müssen dorthin, wo noch Aufträge winken», begründet Spuhler sein Engagement in Weissrussland und den GUS-Staaten. Stadler verfolge derzeit in Russland zwei «grosse Projekte» – unter anderem Trams für Moskau – und könne sein Erfolgsprodukt «Flirt» vielleicht auch nach Kasachstan liefern.

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