Für die griechischen Reedereien zeichnen sich rosige Zeiten ab. Die Globalisierung heizt die Nachfrage nach Frachtraum weltweit an. Davon kann die Seefahrernation Nummer eins erheblich profitieren. Mit Devisenerträgen von rund 18 Mrd Euro für das letzte Jahr ist die Hochseeschifffahrt nach dem Tourismus die zweitwichtigste Einnahmequelle. Die Wachstumsaussichten bleiben auch für die nahe Zukunft intakt. Die Experten des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts prognostizieren eine jährliche Expansion des auf dem Seeweg beförderten Frachtvolumens um 3,3%. Als treibende Faktoren gelten der global fortschreitende Integrationsprozess, der weitere Abbau von Handelshemmnissen und die absehbare Wohlstandsvermehrung in zahlreichen Schwellenländern.

Preiszyklen

Die Entwicklung verläuft in den verschiedenen Kategorien des Seetransports nach Zyklen, die sich anhand der Preisbewegungen bestimmen lassen. Für John Pistiolis, Managing Director des börsenkotierten Tankerunternehmens Athena S.A., haben die Tarife im Bereich der Rohöltransporte den oberen Wendepunkt erreicht. «Wir beobachten ein leichtes Absinken der Preise, weil die Ölindustrie nicht mehr produzieren kann», sagt der Marktkenner. Anders sieht die Situation bei den Schiffen für den Transport von Containern und trockenen Gütern aus. Für diese rasch wachsenden Flotten erwartet Pistiolis einen weiteren Preisanstieg, der erst in ein bis zwei Jahren zu Ende ist. Derzeit werden zahlreiche Tanker, speziell diejenigen mit nur einer Aussenhülle, in Schiffe für den Transport von Containern und Trockengütern umgewandelt. Das hängt auch damit zusammen, dass ab 2010 auf den Weltmeeren aus Sicherheitsgründen nur noch Tanker mit einer doppelten Aussenhülle zugelassen sind.

Der Containerverkehr erlebt bereits seit mehreren Jahren einen Boom. Gemäss den Zahlen der Review of Maritime Transport hat 2006 der gesamte maritime Gütertransport gegenüber dem Vorjahr um 4,3% zugenommen, wobei das Volumen der in Containern beförderten Waren gar um 13,4% nach oben schnellte. Griechische Schifffahrtexperten gehen davon aus, dass sich die Wachstumsraten bei den flüssigen und den festen Massengütern unterschiedlich entwickeln werden. Branchenstudien weisen für den Transport von Rohöl lediglich einen Zuwachs von 0,4% pro Jahr aus. Demgegenüber steigen die Volumen bei den Industriegütern und Vorprodukten in Containern jährlich um 7,9%.

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Volle Auftragsbücher

Die gute Konjunktur spüren auch die Schiffswerften vorab in Südkorea, Japan und China, wo vier Fünftel der Produktion stattfinden. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. In den nächsten Jahren werden über 1000 Containerschiffe mit einer Gesamtkapazität von gegen 5 Mio DWT (Dead-Weight-Tonnage) gebaut. Zu den grössten Auftraggebern gehören die griechischen Reedereien. In den letzten beiden Jahren hat die führende Schifffahrtsnation (siehe Tabelle) gegen 400 neue Fähren, Tanker und Containerschiffe bestellt. Auch bei der Produktion sieht Athena-Chef Pistiolis allerdings bald ein Wende: «Nach 2010 dürften die Bestellungen rückläufig sein.» Das hängt nicht nur mit dem ausserordentlichen Nachfragedruck für doppelwandige Tanker zusammen, sondern steht auch im Zusammenhang mit absehbaren Überkapazitäten beim Transport von trockenen Gütern.

Griechenland nimmt mit den beiden Hafenanlagen in Piräus und Thessaloniki bereits heute eine wichtige Stellung im internationalen Seetransport ein. Jetzt gibt es Pläne für einen Containerhafen auf der Insel Kreta. Von dort aus sollen Waren aus Fernost von riesigen Cotainerschiffen auf kleinere, sogenannte Feeder, umgeladen und nach West- und Osteuropa weitertransportiert werden. Auf der Ferieninsel Kreta stösst das Projekt nicht nur auf Begeisterung. Bereits im letzten Sommer wurde im Auftrag der Regierung eine Machbarkeitsstudie der TU Athen vorgelegt. Diese verlangt eine umfangreichere Umweltstudie, um vor allem die ökologischen Auswirkungen eines Containerhafens zu prüfen.